Welt : Der Film meines Lebens: Schauspielerin Julia Hummer über "Das Gewand"

Johanna Adorján

Die Leute denken immer, Schauspieler würden sich mit Filmen besonders gut auskennen. Bei den meisten stimmt das wahrscheinlich auch - bei mir leider nicht. Ich kann zwar sagen, ob ein Drehbuch gut oder schlecht ist, und ich gehe auch ziemlich oft ins Kino, aber so richtig auskennen... Mein absoluter Lieblingsfilm ist dann auch eigentlich fürchterlicher Trash: "Das Gewand" heißt er, ein Römerfilm aus den 50er Jahren, ein richtiger christlicher Mammutschinken. Er handelt von einem Römer namens Marcello, gespielt von Richard Burton, der beim Pokern unter Jesus Kreuz dessen Gewand gewinnt und darüber vor lauter Schuldgefühlen wahnsinnig wird. Er denkt, das Kleidungsstück sei verhext und dreht total durch. Zuletzt wird er wegen Verrats vor den Kaiser gestellt und geht zusammen mit seiner Frau in den Tod. Dann singen Engelschöre, und die beiden verschwinden in gleißend weißem Licht - ich sage ja: Trash. Man darf sich da nichts bei denken, da ist keine große Message dahinter, in erster Linie ging es bei dem Film um die Bilder. Es ist der erste Film überhaupt, der im CinemaScope-Breitwandverfahren hergestellt wurde, und da waren die anscheinend ziemlich stolz drauf. Irre viele Massenszenen.

Warum ich den Film so mag? Ich hänge einfach an ihm. Er begleitet mich schon mein ganzes Leben. Meine Eltern hatten "Das Gewand" schon auf Video, bevor ich geboren wurde. Ich kenne ihn mindestens 16 Jahre, schaue ihn mir immer mal wieder an. Und immer wieder gerne. Weiß auch nicht, mir gefällt der Style. Männer in Römerkostümen. Eine einfache Geschichte. Viel Kitsch. Das rockt immer.

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