• Der Film meines Lebens: Schriftstellerin Sibylle Knaus über "Der einzige Zeuge"

Welt : Der Film meines Lebens: Schriftstellerin Sibylle Knaus über "Der einzige Zeuge"

Johanna Adorján

"Der einzige Zeuge" handelt von einem ganz grässlichen Mordfall, der sich in der Polizisten- und Drogendealerszene einer amerikanischen Großstadt zuträgt. Der Mord wurde auf einem Bahnhofsklo begangen, einziger Zeuge: ein Amish-Junge. Etwas später ist der Junge mit seiner Mutter, einer ganz braven, züchtigen Amish-Frau auf dem Polizeirevier. Harrison Ford, der ermittelnde Cop, zeigt ihnen Fotos, und tatsächlich, auf einem Foto, auf dem Polizisten zu sehen sind, erkennt der Junge die Mörder wieder. Eine ganz große Sache, die Spitze der Polizei ist involviert. Harrison Ford setzt nun alles daran, das Leben des Jungen zu schützen. Er begleitet ihn und die Mutter in ihr Dorf, wird dabei angeschossen. Soweit die dramatische Exposition. Es folgt ein langsam erzählter Mittelteil, der zeigt, wie jemand aus der brutalen, hektischen Copwelt, in der ein Menschenleben nicht viel wert ist, in die radikal pazifistische, altmodische, stille Welt der Amish-People gerät. Während in der Großstadt fieberhaft nach ihm und dem Jungen gesucht wird, nähert Ford sich diesen Menschen an, lebt sich langsam ein. Es gibt eine Liebesgeschichte zwischen ihm und der Mutter, die nur über Blicke und Gesten erzählt wird. In einer der wunderbarsten erotischen Szenen im Kino tanzen die beiden zusammen in einer Garage zu Musik aus seinem Autoradio, Sam Cookes "Wonderful World". Sie überschreitet damit die Grenze zu einer Welt, die ihr verboten ist, natürlich kann ihre Liebe kein glückliches Ende nehmen. Am Schluss der klassische Showdown: Mit Hilfe der Amish-Gemeinschaft rettet Harrison Ford Jungen und Mutter. Ein makelloses Drehbuch, ein toller Film.

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