Welt : Der Film meines Lebens: SPD-Politiker Walter Momper über "Casablanca"

Johanna Adorjan.

"Casablanca" enthält alles, was es im wirklichen Leben gibt. Nämlich Liebe, Leidenschaft, Politik, Bedrohung, Gewalt, das Exotische, Heldentum, Mut. Aber auch eine gute Einschätzung der politischen Situation, also Zielstrebigkeit und ein klares Denken. Es ist eine Liebesgeschichte vor dem Hintergrund des Zweiten Weltkriegs. Ich habe ja Geschichte studiert, und die Verknüpfung von realem Zeitgeschehen mit einer spannenden fiktiven Handlung finde ich sehr faszinierend. Da ist zum Beispiel diese hinreißende Szene, in der der deutsche Major mit ein paar Landsleuten Ricks Bar betritt. Der Film spielt, wie der Titel verrät, in Casablanca, und die Kneipe ist voll mit Einheimischen, Franzosen und Emigranten. Die Deutschen kommen herein und stimmen "Die Wacht am Rhein" an. Da beginnt die Kapelle, die Marsellaise dagegen zu spielen, ganz leise zunächst, doch schnell singt der ganze Raum mit, die Deutschen werden übertönt.

Natürlich kann man nicht über "Casablanca" sprechen, ohne die tollen Schauspieler zu erwähnen: Die Bergman mit ihrem strahlend klaren Blick, der mich schon als Jugendlicher so beeindruckt hat. Bogart als Rick in seiner größten, na sagen wir, einer seiner größten Rollen. Und all die anderen Figuren. Victor Laszlo, der tragische Held; der französische Kommissar Renault mit seinem polizeilich-politischen Opportunismus; der Pianist Sam. Und die berühmte Schluss-Szene am Flughafen: Sie, die Bergman fliegt mit Victor Laszlo weg. Er, Bogart, bleibt in einem Akt der Selbstaufgabe in Casablanca zurück. "Louis", sagt er zum Kommissar, "ich glaube, dies ist der Beginn einer wunderbaren Freundschaft."

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