Welt : Der Film meines Lebens: Videoregisseur Ralf Schmerberg über "I am Cuba"

Johanna Adorján

Vor kurzem habe ich einen Film gesehen, der mich richtig umgebombt hat, "I am Cuba" aus dem Jahr 1964. Der Regisseur heißt Mikhail Kalatozov, ist Russe und war mir bis dahin vollkommen unbekannt. Auch von dem Film hatte ich nie zuvor gehört. Ein Freund hat ihn mir empfohlen, eine wirkliche Entdeckung. Es geht um die Zeit der Revolution auf Cuba, die Zeit also, die schließlich Fidel Castro an die Macht brachte.

Vier verschiedene Episoden werden erzählt, jedesmal steht jemand anderes im Mittelpunkt, ein Student, eine Prostituierte - man erfährt viel über die politischen Zustände, die unter dem Diktator Batista

herrschten. Aber an die Handlung erinnere ich mich gar nicht so, mir sind viel mehr noch die Bilder im Kopf. Diese Kamerafahrten! Ich verstehe nicht, wie die das technisch gemacht haben: Unten auf der Straße ist eine Beerdigungsprozession, und die Kamera fährt oben an alten Gebäuden entlang, von ganz oben in der Luft begleitet sie die Menschen sicher zwei Kilometer lang, in der Mitte der Straße, und das ohne Hubschrauber-Einsatz. Eine filmische Meisterleistung, das kriegt heute keiner mehr so hin. Und mit welcher Eleganz die Kamera durch den Film tanzt, eine Handkamera. Wie sie sich mit Menschen und durch Räume bewegt, wunderschön und ganz dicht dran. Als Zuschauer ist man immer mittendrin im Geschehen, nie außen vor. Natürlich, es spielt ja auf Cuba, gibt es auch wunderbare Musik. Und tolle Schauspieler. Der Film war offenbar lange fast vergessen: Francis Ford Coppola und Martin Scorsese haben dafür gesorgt, dass er jetzt auf DVD und auch in Amerika erhältlich ist.

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