• Der Film meines Lebens: "Zeit"-Herausgeber Michael Naumann über "Fanny und Alexander"

Welt : Der Film meines Lebens: "Zeit"-Herausgeber Michael Naumann über "Fanny und Alexander"

Johanna Adorján

Von allen Filmen, die ich gesehen habe, ist mir "Fanny und Alexander" am liebsten in Erinnerung geblieben - Ingmar Bergmans Reminiszenz an eine Kindheit in Schweden, seine eigene Kindheit wohl, denn der Film von 1982 hat stark autobiographische Züge. Er spielt um die Jahrhundertwende und handelt von zwei Kindern, Fanny und Alexander eben, Geschwistern, die in sehr behüteter Umgebung aufwachsen. Zu Beginn des Films ist die Welt in Ordnung. Es ist Weihnachten, ein großes Fest wird gefeiert, es gibt einen lustigen Onkel, der auf Befehl sehr eindrucksvolle Flatulenzen produzieren kann.

Dann aber stirbt der Vater. Die Mutter heiratet wieder, und mit der schönen Kindheit ist es vorbei. Ihr zweiter Mann ist ein grausamer Bischof, in dessen Haus eine ganz und gar lieblose Atmosphäre herrscht. Doch die Kinder werden gerettet - von einem jüdischen Antiquitätenhändler, der, nebenbei bemerkt, aussieht wie Charles Aznavour. Es ist ein Märchenfilm aus einem meist winterlichen Schweden; ein Film auch über die Gefährdung von Glück in einer scheinbar intakten, wohlhabenden und gewissermaßen von Strindberg zuerst einmal befreiten, vaterlosen Bürgerlichkeit.

Was mich besonders berührt hat, ist die Fähigkeit von Bergman, die kindliche Perspektive einzunehmen. Alles, wirklich alles wird staunend gezeigt. Mich hat der Film in meine eigene glückliche Kindheit zurückversetzt. Ich hatte eine ganz enge Beziehung zu meiner älteren Schwester Ulli, auch wir sind ohne Vater groß geworden. Geschwister, die einander festhalten - das ist auch unsere Geschichte.

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