Welt : Der Frosch, die Prinzessin und der Schriftsteller

NAME

Trondheim (dpa). Unter dem Jubel von tausenden Landsleuten hat die norwegische Prinzessin Märtha Louise am Freitag in Trondheim dem bürgerlichen Schriftsteller und TV-Filmer Ari Behn ihr Jawort gegeben. Die 30-jährige Prinzessin und der ein Jahr jüngere Autor tauschten im Nidarosdom der westnorwegischen Stadt mit Brillanten besetzte Eheringe aus Weißgold, in die auf der Außenseite in großen Buchstaben die Vorn „Märtha“ und „Ari“ eingraviert waren.

Zuvor hatte Prinzessin Märtha Louise ihre Tauglichkeit als Prinzessin dem applaudierenden Publikum bewiesen, indem sie einen Frosch aus Plastik küsste.

Neun Monate nach der „Traumhochzeit“ ihres Bruders Kronprinz Haakon (28) mit der gleichaltrigen Prinzessin Mette-Marit in Oslo erschien Märtha Louise in einem cremefarbenen Brautkleid mit langen Ärmeln und einer drei Meter langen Schleppe zur Trauung. Norwegens König Harald V. begleitete die Prinzessin zunächst in einer offenen Kutsche zum Dom, ehe Vater und Tochter gemeinsam an 1800 Gästen vorbei zum Altar gingen.

Das Design des Brautkleides und die Gestaltung der Feier fielen nach Meinung einheimischer Kommentatoren überraschend konservativ und konventionell aus. Märtha Louise brach während der Feier immer wieder in Tränen aus und griff oft nach der Hand des Bräutigams. Der in Medienberichten oft als „Dandy-Autor“ bespöttelte Behn wirkte bei der Trauung ausgesprochen ernst und erschien auch ohne seinen schon zum „Markenzeichen“ gewordenen Dreitage-Bart.

Zu den 500 offiziellen Hochzeitsgästen gehörten vor allem jüngere Angehörige der europäischen Königshäuser. So war der spanische Kronprinz Felipe zu einem Fest am Donnerstagabend gemeinsam mit Schwedens Kronprinzessin Victoria erschienen. Felipe hatte sich erst vor wenigen Monaten vom norwegischen Model Eva Sannum getrennt, deren Aktivitäten als Mannequin für Unterwäsche am Hof in Madrid auf wenig Wohlwollen gestoßen waren.

Als einziges gekröntes Haupt kam die dänische Königin Margrethe II. zur Hochzeit in die drittgrößte Stadt Norwegens. In die Planungen für die Hochzeit hatten Märtha Louise und Ari Behn auch Werbeagenturen eingeschaltet, die für die farbliche Gestaltung in Grün und Rot sorgten. Der Nidarosdom war mit mehr als 700 der in Norwegen bekannten Märtha-Lilien geschmückt. Die Millionen-Kosten für die Hochzeit waren in norwegischen Medien zum Teil massiv kritisiert worden, weil Märtha Louise sich mit der Heirat weitgehend von ihrer bisherigen Rolle im Königshaus verabschiedet hat.

Die ausgebildete Physiotherapeutin und Spitzen-Springreiterin hat auf ihren offiziellen Titel „Königliche Hoheit“ ebenso verzichtet wie auf ihre Apanage. Sie will künftig eigenes Geld als „Kulturvermittlerin“ verdienen. Ari Behn, der als Autor ein Buch veröffentlicht hat, behält auch als Ehemann der Prinzessin seinen bürgerlichen Namen und soll den Hof bei offiziellen Anlässen auch nicht vertreten.

Norwegens Ministerpräsident Kjell Magne Bondevik sagte kurz vor der Trauung im Fernsehen: „Diese Hochzeit wird den Gegnern der Monarchie das Leben noch schwerer machen.“ Prinzessin Mette-Marit verzichtete für die Trauung erstmals ganz auf die Krücken, auf die sie seit einem Skiunfall zu Ostern angewiesen war. Mette-Marit galt vor ihrer Heirat mit Haakon wegen einer betont „wilden“ Jugend als ebenso umstritten wie Ari Behn, der sich unter anderem beim gemeinsamen Kokainkonsum mit Prostituierten in Las Vegas filmen ließ.

Umfragen in der Hochzeitswoche ergaben, dass knapp die Hälfte der Norweger die Ehepartner von Kronprinz Haakon und Prinzessin Märtha Louise für jeweils eine „schlechte Wahl“ hält.

Noch während der Hochzeitsfeier veröffentlichte der Hof eine erste Liste mit eingegangenen Hochzeitsgeschenken. Darunter waren auch Teile des exklusiven Porzellan-Services „Dana Florica“ zum Gesamtpreis von 600 000 Kronen (80 000 Euro), das auf einer öffentlich zugänglichen Wunschliste des Paares gestanden hatte. Sie wurde zurückgezogen, nachdem Medien die Wünsche als „milde ausgedrückt unbescheiden“ kritisiert hatten. Die Eheringe aus Weißgold waren ein Geschenk des norwegischen Goldschmiede-Verbandes.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben