• Der fünfte Zyklon in diesem Jahr stellt Experten vor ein Rätsel. Vier Menschen starben

Welt : Der fünfte Zyklon in diesem Jahr stellt Experten vor ein Rätsel. Vier Menschen starben

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Mit einer inneren Windgeschwindigkeit von 240 Stundenkilometern hat Hurrikan "Lenny" am Donnerstag morgen über der Karibik gewütet und auf den Junfern-Inseln schwere Schäden angerichtet. Mindestens vier Menschen kamen ums Leben. Auf St. Croix warf der Sturm Fischerboote auf den Strand, riss Häuser mit sich und entwurzelte Bäume; meterhohe Flutwellen überschwemmten die Straßen. Zehntausende Bewohner von St. Croix und Puerto Rico waren ohne Strom, fießendes Wasser und Telefonverbindung.

"Lenny" hatte zunächst die Karibikküste Kolumbiens heimgesucht und Kurs auf Puerto Rico genommen, um dann in nordöstliche Richtung abzudrehen. Im Verlauf des Mittwochs legte der Zyklon noch an Tempo zu und erreichte schließlich mit 240 Stundenkilometern fast die Wirbelsturm-Kategorie fünf. Danach verlor er am Donnerstag morgen etwas an Kraft und fegte mit 215 Stundenkilometern über die Antillen-Inseln St. Maarten, Saba und Anguilla.

"Lenny" gibt den Meteorlogen nicht nur Rätsel auf, weil er sich erst nach der Hurrikan-Saison für die Karibik entwickelte. Außergewöhnlich ist auch seine Stoßrichtung: Zyklone bewegen sich üblicherweise von Westen nach Osten, "Lenny" aber wirbelt in umgekehrter Ost-West-Richtung über die Region hinweg.

Auf der britischen Insel Anguilla kündigte sich "Lenny" mit heftigen Sturmböen und Regenfällen an, die Brandung riss Teile der Strände mit sich. Die Einwohner vernagelten Fenster und Türen; knapp 100 Touristen mussten aus einem überfluteten Hotel evakuiert werden. Vor der Küste von St. Croix wurde ein Urlauber von Wellen mitgerissen. Den Behörden zufolge klammerte er sich eine Stunde an einem Felsen im Meer fest, bis Taucher ihn retten konnten. Auf St. Kitt erlitten mehrere Personen Knochenbrüche, als sie von Wellen auf den Beton-Pier geschmettert wurden. Auch auf Grenada zerstörten die Fluten Häuser und Asphaltstraßen. Einwohner von Soufrierre auf St. Lucia berichteten von sechs Meter hohen Wellen. Zahlreiche Menschen "beobachteten von der Straße aus, wie sie ihre Häuser mitrissen", sagte ein Sprecher des Roten Kreuzes.

Der Gouverneur der Junfern-Inseln hatte bereits am Dienstag den Ausnahmezustand ausgerufen und eine Ausgangssperre verhängt, um Plünderungen zu vermeiden. Nach der Schließung sämtlicher Flughäfen in der Region, saßen Hunderte Touristen am Donnerstag auf den Karibikinseln fest. Nach Angaben eines örtlichen Rundfunksenders mußte die niederländische Königin Beatrix ihre Reise durch die Karibikbesitzungen ihres Landes auf Curacao zunächst unterbrechen. Als nächstes Ziel wollte die Monarchin ursprünglich St. Maarten ansteuern.

"Lenny" könnte sich nach Angaben des Hurrikan-Zentrums auch in den Vereinigten Staaten bemerkbar machen. Ein Sprecher des Zentrums warnte vor einer außergewöhnlich gefährlichen Brandung, die an der Küste Floridas Strände verwüsten könnte.

Der US-Katastrophenschutz (Fema) schickte in den vergangenen Tagen Ärzte und Sanitäter auf die zu den Vereinigten Staaten gehörenden Junfern-Inseln. Fema-Leiter James Lee Witt erwartete jedoch, dass die nach dem Hurrikan "Marilyn" von 1995 eingeführten Bauvorschriften die schlimmsten Schäden verhindern würden. Die Region schuldet Washington bereits eine Milliarde Dollar für Katastrophenhilfe nach "Marilyn" und dem Hurrikan "Hugo" 1989. Erst im September hatte der Zyklon "George" Teile der Karibik verwüstet und 500 Menschenleben gekostet. Sein Nachfolger "Lenny" ist der fünfte Hurrikan, der in diesem Jahr über den Atlantik wirbelt.

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