Welt : Der Gipfel der Geschmacklosigkeit

Proteste fundametalistischer Hindus gegen Miss-World-Wahl in Indien Bangalore(AFP).Nach ihrer Rückkehr von den Seychellen sind am Dienstag die 89 Schönheiten des Miss-World-Wettbewerbs im indischen Bangalore unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen empfangen worden.Leibwächter und Eliteeinheiten begleiteten die Schönen durch abgesperrte Straßen vom Flughafen zu einem Luxushotel.Schon in der vergangenen Woche hatten Hindu-Fundamentalisten scharfe Proteste gegen die Miss-Wahl angekündigt.Weit mehr als 200 Gegner hatten versucht zum Flughafen vorzudringen, 17 wurden von der Polizei festgenommen.Sie gehören einer Hindu-Partei an, die den Wettbewerb als Gefährdung indischer Kultur sieht.Radikale Feministinnen drohten mit Selbstverbrennung. Die Bewerberinnen kamen von den Seychellen, wo sie sich im Badeanzug präsentiert hatten.Als Zugeständnis war dieser Teil des Wettbewerbs dorthin verlegt worden.Doch auch das reicht den Hindu-Fundamentalisten, die alles verdammen, was von westlichen Kulturen nach Indien importiert wird, nicht.Am Tag der Endausscheidung wollen die Gegner 100.000 Demonstranten auf die Beine bringen.Und die soll am 23.November im Chinnaswamy-Stadion in Bangalore unter dem Schutz von 15.000 Sicherheitskräften stattfinden.Dort werden sich die Frauen im Abendkleid vor 60.000 Zuschauern präsentieren.Die nationalen Hindu-Organisationen sind der Ansicht, Frauen in langen Hosen, sowie Popsongs, Hamburger oder Geburtstagskuchen mit brennenden Kerzen hätten in Indien nichts zu suchen.Sie würden die Indische Kultur untergraben.Der Gipfel des Verderbens sei nun der Miss-World-Wettbewerb.Die indische Regierung dagegen hielt den Schönheitswettbewerb im Lande für eine gute Idee.Das weltweit beachtete Ereignis sollte den Tourismus ankurbeln.Mit derart heftigem Widerstand, wie die Hindu-Hardliner ihn inszenieren, hatten die Politiker jedoch nicht gerechnet.Angesichts der massiven Proteste sicherten Regierung und Polizei den Organisatoren und Sponsoren jede Unterstützung zu.Unterdessen kündigte die Regierung auch im Umfeld der Veranstaltung Festnahmen an, sollte jemand seinem Unmut allzu laut Luft machen.Am Montag wurden in der südindischen Stadt bereits 50 Hindus von der Polizei festgenommen.Auch am Flughafen ist diese Drohung bereits wahr geworden. Das Luxushotel, in dem die Kandidatinnen aus aller Welt wohnen, wird wie das Stadion streng bewacht.Ein Anschlag, wie der Ende Oktober auf das Organisationsbüro der Miss-Wahl, soll nicht noch einmal vorkommen. Diese Machtdemonstration des Staates stachelt die Hindus eher noch an.Für sie ist der Wettbewerb ein ideales Symbol, an dem sie ihr Unbehagen über sich verändernde Wertvorstellungen festmachen können.

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