DER GOLFSTROM : Öl fließt bald Richtung Europa

Das in der Tiefe des Golfs von Mexiko ausströmende Öl wird bald den Golfstrom erreichen und sich dann an der Atlantikküste der USA entlang auf den Weg Richtung Europa machen. Eine Ölpest aber droht Europas Stränden deshalb nicht, weil das Öl auf dem Weg über den Atlantik sehr stark verdünnt wird, erklärt Claus Böning vom Leibniz-Institut für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR) in Kiel. Dem Experten für Meeresströmungen war nach dem Unglück schnell klar, dass ein Teil des ausgetretenen Öls in den Atlantik gelangen würde. Wie schnell die schwarze Flüssigkeit sich aber auf den Weg machen würde, wusste niemand. Gemeinsam mit IFM-Forscher Martin Visbeck und Kollegen zweier Forschungseinrichtungen in den USA kam er mit Computersimulationen jetzt zu eindeutigen Ergebnissen.

Schon in den nächsten Wochen werden die Strömungen Teile des Öls erfassen und durch den 900 Meter tiefen Engpass zwischen Florida und Kuba in den Atlantik drücken. Mit bis zu 150 Kilometern am Tag fließt der 50 Kilometer breite und einige hundert Meter tiefe Strom entlang der Ostküste der USA nach Norden. Den Stränden dort droht also eine Ölpest. Am Kap Hatteras in North Carolina verlässt die Strömung die Küste und fließt über den offenen Atlantik in Richtung Nordost auf Europa zu. „Dort aber beginnt die Strömung, Schleifen und Wirbel zu bilden“, sagt Böning. Dadurch verdünnt sich das Öl stark. Gleichzeitig bremsen viele Umwege das Tempo der Strömung so stark, dass ein bestimmtes Wasserteilchen erst nach Jahren die Küsten Europas erreicht. In dieser langen Zeit können die im Wasser vorhandenen Bakterien, die Öl fressen und damit langsam abbauen, reichlich Öl verdauen. Roland Knauer

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