• Der Holzmichl stirbt – ein bisschen Der Streit um den Kulthit endet mit einem Vergleich

Welt : Der Holzmichl stirbt – ein bisschen Der Streit um den Kulthit endet mit einem Vergleich

Alexander Bischoff[Leipzig]

Leipzig - Die Justiz in Sachsen hatte schon so manche harte Nuss zu knacken. Ein Nachbarschaftsprozess über einen Maschendrahtzaun und ein Verfahren über die Zumutbarkeit geschmacksneutraler Sauerbraten sorgten bundesweit für Aufsehen. Gestern wurde die Skurrilitätensammlung um einen weiteren Fall bereichert. Ein Aufruf, den „Holzmichl“ der erzgebirgischen Volksmusikformation „De Randfichten“ zu töten, beschäftigte das Leipziger Landgericht.

„Lebt denn dr alte Holzmichl noch?“ – während in deutschen Sälen und Fußballstadien auf diese Liedzeile zumeist ein tausendfach gegröltes „Ja, er lebt noch!“ folgt, möchte Thomas Lehmann diese Frage am liebsten mit dem Hackebeil beantworten. Für den Chef einer Werbeagentur und Herausgeber des Chemnitzer Stadtmagazins „371“ ist der mittlerweile über eine halbe Million Mal verkaufte Satire-Hit der „Randfichten“ Anlass für eine eigene Satire. In seiner handtaschengroßen Gratis-Postille rief er zum Mord an dem besungenen Waldschrat auf. Nicht ganz uneigennützig, denn der als Satire ausgegebenen „Tötet den Holzmichl“Kampagne folgten postwendend Merchandising-Angebote, wie T-Shirts mit aufgedrucktem Mordaufruf. Das wiederum fanden die Gute-Laune-Musikanten aus dem Erzgebirge angeblich unerträglich. „De Randfichten“ konterten medienwirksam mit einem Unterlassungsverfahren.

„Absolut richtig“ finden das auch Renate Rosenkel und ihr Sohn Holger. Im offiziellen „Randfichten“-Shirt, mit original „Holzmichl“-Holzpuppe im Arm sind die treuen Fans des Volksmusik-Trios schon früh im Gericht erschienen, um ihren Idolen die Daumen zu drücken. „Unser Holzmichl darf nicht sterben!“, poltert Renate im schönsten Sächsisch in jedes Mikrofon, das ihr entgegengehalten wird. Und sie tut dies mit einer Leidenschaft, die nach einem Auftritt bei Stefan Raab schreit. Auf ihre Lieblingsmusikanten warten Mutter und Sohn aber vergeblich. „Die schreiben gerade einen neuen Song“, lässt Rechtsanwalt Bergmann seine Mandanten entschuldigen.

Ob „Tötet den Holzmichel“ gegen das Marken- und Urheberrecht verstößt, bleibt aber für immer ungeklärt. Denn was mit großem Gepolter begann, endete im versöhnlichen Vergleich. SatireFreund Lehmann darf weiter zum Mord am „Holzmichl“ aufrufen. Im Gegenzug ist ihm aber untersagt, T-Shirts, Schlüsselanhänger und Ähnliches zu vermarkten. Verstößt Lehmann gegen diese Vereinbarung, muss er 5001 Euro Vertragsstrafe zahlen – an die Mozart-Gesellschaft Chemnitz.

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