Welt : Der Kanzler macht sich breit

Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) ist noch nicht einmal in Hannover umgezogen, schon hat er Ärger mit seinen neuen Nachbarn. Der Grund: 22 Parkplätze in der Nähe des künftigen Kanzlerdomizils wurden aus Sicherheitsgründen gesperrt. Allein sechs Plätze sind nur für die Polizei reserviert. Anwohner und Ladenbesitzer haben das Nachsehen. "Ich befürchte, dass Kunden jetzt weg bleiben, wenn sie nicht vor unserem Geschäft parken können", sagte Supermarktbetreiberin Anke Kasper am Donnerstag und bestätigte einen Bericht der "Bild"-Zeitung vom selben Tag. Sie will sich über einen Anwalt wehren.

Anke Kaspers Rechtsanwalt Rainer Himstedt hat bei der Landeshauptstadt Hannover gegen die Parkplatzsperrung protestiert. "Wir wollen alle Rechtsmittel ausschöpfen", sagte der Anwalt. Der Umfang der Sperrungen sei übertrieben. Er habe aber Verständnis, dass es gewisse Sicherheitsvorkehrungen für den Bundeskanzler geben müsse.

"Ich habe die Polizei gebeten, das noch einmal zu prüfen", sagte Schröders Frau Doris Schröder-Köpf am Donnerstag. "Allerdings haben weder mein Mann noch ich Einfluss auf die Sicherheitsmaßnahmen vor unserem Haus. Das ist allein Sache der Polizei." Ihr Mann und sie hätten bei den Sicherheitsbehörden mehrfach betont, dass der Umzug für die Nachbarschaft mit möglichst wenig Beeinträchtigungen verbunden sein solle. Dem wolle die Polizei auch Rechnung tragen. Die Beamten hätten aber bereits erklärt, dass ein geringerer Sicherheitsstandard kaum mehr möglich sei. "Schon jetzt ist den Sicherheitsexperten bei einigen Dingen unwohl, die mein Mann und ich auf eigene Verantwortung entschieden haben."

Doris Schröder-Köpf räumte ein, dass es Nachteile mit sich bringe, wenn ein Regierungschef in der Nachbarschaft wohne. "Aber es hat auch Vorteile. Insbesondere die älteren Bewohner haben mir gesagt, dass sie sich über die höhere Polizeipräsenz freuen."

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