Welt : Der Kopf des Königs ist aufgetaucht

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Der Kopf des „guten Königs“ ist wieder da. 400 Jahre nach seinem Tod durch Mörderhand hat eine Gruppe von Experten um den französischen Gerichtsmediziner Philippe Charlier den Schädel Heinrichs IV. identifiziert. Der mumifizierte Kopf befinde sich in einem „sehr gut erhaltenen Zustand“. Er war vor zwei Jahren bei einem Rentner gefunden worden und seitdem von Anthropologen, Pathologen und Genetikern auf seine Authentizität untersucht worden. Er weise einige der von Porträts bekannten Merkmale auf, wie den Fleck über dem rechten Nasenloch, das Loch im rechten Ohrläppchen, das von dem Ohrring stammt, den der König trug, sowie über der linken Oberlippe die Spuren des Schwerthiebs, den ihm ein Attentäter 1594 versetzte.

Charlier ist sich des Ergebnisses der forensischen Analysen sicher. Und er gilt als der „Indiana Jones der Friedhöfe“. 2004 identifizierte er ein in einem Glas konserviertes Herz als das des verschwundenen Sohns des in der Revolution geköpften Königs Ludwig XVI. Vor drei Jahren erregte Charlier Aufsehen, als er Leichenteile, die angeblich im Scheiterhaufen der Jungfrau von Orléans gefunden und 1909 von einer päpstlichen Kommission als authentisch anerkannt worden waren, als Knochen einer Katze entlarvte.

Heinrich IV., der mehrmals zwischen Protestantismus und Katholizismus wechselte, gilt noch heute als populärer Herrscher, der den Franzosen zum Sonntag „ein Huhn im Topf“ versprach und mit dem Ausspruch, „Paris ist eine Messe wert“ den Frieden in den Religionskriegen herbeiführte. 1610 ermordete ihn der katholische Fanatiker Ravaillac. Seine Gebeine waren 1793 wie die anderer Könige in ein Massengrab geschüttet worden. Den Kopf hatte ein Souvenirjäger an sich genommen. Er gelangte in den Besitz des Grafen Erbach, verlor sich und tauchte später bei einem Pariser Antiquitätenhändler auf, der ihn für drei Franc versteigerte. 1947 wurde er dem Louvre angeboten, der aber Zweifel an der Echtheit hatte.

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