Welt : Der Krimiheld als Erpresser-Vorbild

Arbeitsloser verlangte fünf Millionen von Tengelmann MÜNCHEN (AP/dpa).Die Münchener Polizei hat einen 30jährigen gelernten Kaufmann dingfest gemacht, der den Lebensmittelkonzern Tengelmann um fünf Millionen Mark erpressen wollte.Der arbeitslose Münchner drohte bereits seit April damit, vergiftete Produkte bundesweit in Supermarktfilialen einzuschmuggeln.Nach fieberhaften Recherchen schnappte die Falle in der Nacht zum Donnerstag zu, wie Gero Stoffl, Dezernatsleiter der Polizei, am Freitag berichtete.Der junge Mann hatte gerade per Karte 500 Mark am Geldautomaten abgehoben.Er unterschrieb seine Erpresserbriefe stets mit "Blue Moon", dem Titel einer Detektivserie mit US-Star Bruce Willis. Der Einzelhandelskaufmann mit Lehre in einem Supermarkt habe schon unmittelbar nach seiner Festnahme ein volles Geständnis abgelegt, erläuterte der Münchner Staatsanwalt Stefan Antor.Für die Verbraucher habe keine Gefahr bestanden, weil der Täter seine Drohungen nicht wahrgemacht habe.Der Mann, der zurückgezogen lebte, gab bei der Vernehmung erhebliche Schulden als Motiv an.Er sei durch den Erpressungsfall der Firma Thomy auf die Idee zur Nachahmung gekommen. Thomas H.drohte nach Polizeiangaben am 12.April zum ersten Mal schriftlich mit der Vergiftung von Nahrungsmitteln in Supermärkten.Zunächst habe er gleichlautende Erpresserbriefe an sieben bis acht Lebensmittelhersteller in Deutschland verschickt und 6,8 Millionen Mark gefordert, sagte Stoffl.Das Geld sollte auf Konten überwiesen werden, die er persönlich unter falschem Namen eingerichtet hatte. Tengelmann ist nicht das erste Unternehmen, dem mit Vergiftung ihrer Produkte gedroht wird.Supermärkte und Hersteller von Lebensmitteln sind bevorzugte Ziele von Erpressern.Allein im vergangenen Jahr versuchten sie es 14 Mal.In diesem Jahr wurden - mit der jüngsten Tengelmann-Erpressung in München - bereits elf Fälle bekannt.Die Täter drohen, Produkte zu vergiften.Nur in sehr seltenen Fällen machen sie aber diese Drohung wahr, wobei sie dann zudem die ungenießbaren Produkte häufig kennzeichnen.Zuletzt wurde im April 1997 vergifteter Senf in drei Supermärkten gefunden, die die unbekannten Erpresser der Firma Thomy genau bezeichnet hatten.Die Erpresser, die meist Millionenbeträge verlangen, spekulieren mit der Angst von Firmen und Verbrauchern.Geldnot ist häufigstes Motiv der Täter, deren Rechnung aber bei den bekanntgewordenen Fällen selten aufging.Die Aufklärungsquote ist bei den gemeldeten Fällen sehr hoch.Die meisten Täter werden bei der Geldübergabe gefaßt.

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