Welt : Der magnetische Nordpol wandert Richtung Sibirien

Ralf Nestler

Noch zeigen alle Kompassnadeln Richtung Kanada. In 50 Jahren könnte die Marschrichtung Sibirien heißen. Das hauchdünne Metallstäbchen weist nämlich nicht zum geografischen Nordpol, sondern zum magnetischen. Und der ist zurzeit ziemlich umtriebig, wie amerikanische Forscher um Joseph Stoner feststellten. In den vergangenen 400 Jahren pendelte er ein wenig in Kanada, doch nun eilt er mit gut 40 Kilometern pro Jahr nach Russland, fanden sie heraus.

Am täglichen Leben ändert der reisende Magnetpol wenig. Schifffahrt und Flugverkehr sind in Zeiten von satellitengestützter Navigation kaum davon betroffen. Möglicherweise müssen Tiere, die sich am Magnetfeld der Erde orientieren, ihren inneren Kompass neu kalibrieren.

Doch auch beim Menschen sorgt das Magnetfeld manchmal für Verwirrung: Es schützt den Planeten vor dem Sonnenwind – elektrisch geladenen Teilchen, die der Stern ständig in Richtung Erde feuert. Ein Teil dieses Sonnenwindes gelangt trotzdem bis zur Erde und kann beispielsweise den Funkverkehr stören. Auch Handynetze waren schon betroffen. Diese Ereignisse sind jedoch selten.

Forscher haben herausgefunden, dass der magnetische Schutzschild in den vergangenen 2000 Jahren mindestens um ein Drittel schwächer geworden ist. „Das bedeutet aber nicht, dass eine Katastrophe bevorsteht“, sagt André Giesecke vom Astrophysikalischen Institut in Potsdam. Denn die Stärke des Magnetfelds sei im Vergleich zu früheren Jahrtausenden immer noch groß, und die Veränderungen des Magnetfelds dauerten sehr lange. Eine Gefahr für die Menschheit besteht nach Meinung des Forschers daher nicht. Wenn sich das Magnetfeld der Erde komplett umpolt, das heißt Nordpol und Südpol sich umkehren, was etwa alle 500 000 Jahre passiert, ist die Erde nahezu ungeschützt. Doch dafür gebe es bislang keine Anzeichen, sagt Giesecke. „Selbst in diesen Fällen gab es in der Vergangenheit kein Massensterben.“

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