Welt : Der Millennium-Dome in London erntet immer mehr Kritik

Kühle Rechner schimpfen ihn ein "Pharaonengrab", Ästheten wenden sich mit Grausen ab: Mit dem gigantischen Millennium-Dome hat London kurz vor der Jahrtausendwende eine erhitzte Debatte entfacht. Das 2,4 Milliarden Mark teure Theater- und Ausstellungsgebäude auf dem Null-Meridian im Stadtteil Greenwich sollte eigentlich der glanzvolle Höhepunkt der britischen Millenniumsfeiern werden. Stattdessen hagelt es Kritik.

Offiziell eingeweiht wird die 50 Meter hohe monumentale Halle am Themse-Ufer am Silvesterabend, wenn Premierminister Blair, die Queen und 10 000 Gäste dort gemeinsam den Rutsch ins Jahr 2000 feiern. "Am 31. Dezember wird die ganze Welt auf uns blicken", wirbt das Fremdenverkehrsamt. Ab dem 1. Januar soll der Millennium Dome ein Jahr lang für Besucher geöffnet sein.

Viele halten das Werk für misslungen. Selbst der Architekt des Millennium Domes, Richard Rodgers, gab zu, dass er sein Werk am liebsten hätte leer stehen lassen. Kernstück der Ausstellung soll die begehbare, 18 Meter hohe Statue eines ruhenden nackten Liebespaars sein. Nach den Plänen der Betreiber sollen Besucher die Plastik durch den Ellbogen des Mannes betreten und mit einem Aufzug durch den rechten Arm in eine zentrale Zone auffahren können. Dort finden sie dann interaktive Ausstellungen über Gesundheit, Schönheit und den menschlichen Körper. Auch von außen weckt das Gebäude nicht unbedingt schmeichelhafte Assoziationen: Von einer fliegenden Untertasse war bereits die Rede oder von einem weißen Riesenchampignon.

Erwachsene zahlen 60 Mark Eintritt, Kinder erhalten einen geringen Rabatt. Die britische Presse warnte davor, dass das Projekt ein großer Reinfall werden könnte.

Mit dem Millenniums-Spektakel soll Ende kommenden Jahres Schluss sein: Den Plänen zufolge soll der Millennium Dome dann verkauft werden. Ein weitere Jahrtausendwende dürfte er allerdings kaum erleben. Die Regierung räumte ein, dass die Baumaterialien höchstens 40 Jahre halten.

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