Welt : Der nette Herr Baumann

Der Schweizer Superstar DJ Bobo präsentiert sich ruhig und bescheiden - und ist doch ein gewiefter Medienprofi

Andreas Kötter

René Baumann ist ein kleiner, ein eher unscheinbarer Mann. Einer, der im Gespräch betont leise, wenn auch bestimmt auf die Fragen antwortet, die man ihm stellt. Und vielleicht wirkt er deshalb auf den ersten Blick sogar noch kleiner, als die tatsächlichen 1,73 Meter, die er misst. DJ Bobo ist ein großer Mann, wenn auch nur im übertragenen Sinn. Genießt er doch den Ruf, eine der unbestrittenen Koryphäen seines Metiers zu sein. René Baumann ist dieser DJ Bobo und damit seit zehn Jahren und mit bis dato neun Alben einer der erfolgreichsten europäischen Musiker überhaupt, dessen eingängiger Sound ihm sechs World Music Awards eingebracht hat.

Baumann ist das, was man sich heute unter einem Superstar vorzustellen hat. Und will doch keiner sein. Wo die Unglückseligen, die ein TV-Sender mit aller Medienmacht zu den nächsten No Angels oder vielleicht auch zum nächsten DJ Bobo machen will, noch nach Berühmtsein und Reichtum gieren, da weiß der 34jährige, dass das Dasein als Superstar längst kein Zuckerschlecken ist. So meidet der gelernte Konditor dann auch den gängigen Starrummel, wie nur wenige seiner Promi-Kollegen, und macht einen fast schon unanständig normalen Eindruck. „So bin ich eben", lautet seine simple Erklärung. „Mir liegt einfach nichts daran, einen Maserati oder einen Ferrari in der Garage zu haben". Gerne möchte man das dem sympathischen Schweizer glauben.

Gedankt wird ihm seine Natürlichkeit allerdings weder von der Boulevard-Presse, die die Botschaft seiner Songs gerne mal als „BlaBlaBla" abkanzelt, noch von den Feuilletons der seriösen Presse. Was den Künstler im Superstar „durchaus schmerzt" und vielleicht finden sich gerade deshalb auf seinem neuen Album „Visions" erstmals auch Stücke, bei denen Gitarren die Melodie vorgeben. Purer Pop ist „Angel", das ganz offensichtlich die Sehnsucht spüren läßt, endlich auch als Künstler ernst genommen zu werden. Und auch ein Song wie „Let’s Come Together (We Are Family)" will mehr sein, als nur Konfektionsware. Eingespielt mit dem Filmorchester Babelsberg, diente er kürzlich als offizieller Beitrag zur Ski-WM. Allerdings gehen seine künstlerischen Ambitionen so weit dann doch nicht, als dass Baumann nicht wüsste, was seine Fans in erster Linie von ihm erwarten. Und das ist nicht weniger, als ein Spektakel der Superlative. Und so soll diesmal die Show zum aktuellen Album gleich eine Mischung aus Pop-Konzert, Musical und Laterna Magica sein und damit das Modell von gestern – „"Mystasia – Das Land hinter den Träumen" – noch einmal übertrumpfen. Gleich drei verschiedene Bühnenbilder wird es geben, „einen düsteren und unheimlichen Aztekentempel, so eine Art Indiana Jones-Abenteuerspielplatz", so Baumann.

Geboren am 5. Januar 1968 in Kölliken im Kanton Argau, absolvierte der Sohn einer Schweizer Floristin und eines Italieners zunächst eine Ausbildung zum Konditor, arbeitet aber ab 1985 nebenbei auch als DJ. Nach seiner Lieblings-Comicfigur, dem Ausbrecherkönig „Bobo", nannte er sich „DJ Bobo" und begann, Platten zu veröffentlichen. Der internationale Durchbruch gelang ihm 1993 mit „Somebody Dance With Me“. Seitdem wird jedes seiner Alben mindestens vergoldet oder bekommt gar Platin. Baumann, stets betont bescheiden auftretend, gilt als knallharter Medienprofi.

So versteigert er im August 2001 meistbietend die Rechte an der Berichterstattung seiner Hochzeit mit der Tänzerin Nancy. Seine Tour wird ihn von Ende März bis Anfang Juni durch beinahe 30 Städte in Deutschland, Österreich und der Schweiz führen. Den Abschluss bildet am 7. Juni der Auftritt in der Berliner Arena.

Im letzten Oktober wurde Baumann Vater, seitdem bestimmt sein Sohn Jamiro den Lebensrhythmus. „Wenn es auch wie ein Klischee klinge, das Leben und die Sicht darauf ändern sich doch fundamental", so der 34jährige. „Früher habe ich über die Musiker-Kollegen gelacht, die anlässlich ihrer Vaterschaft nichts Eiligeres zu tun haben, als gleich einen Song zu komponieren. Und was habe ich als Erstes gemacht? Natürlich einen Song komponiert", lacht er. „Dabei hatte ich noch Glück. Ich habe „Do You Remember" vor der Geburt getextet und im Song gibt es eine Zeile, die lautet: „Willkommen auf der Welt mein Sohn".

Wäre es kein Junge geworden, hätte ich wohl noch mal ins Studio gemusst." Wenn man ihn nach seinen ganz „persönlichen Visionen" befragt, dann erhält man eine beinahe erwartete, konventionelle Antwort. „Frieden" sagt Baumann. „Ich habe schon wegen meines Sohnes Angst vor einem Krieg im Irak und vor den möglichen Folgen."

Am Freitag startete DJ Bobo in Bremen eine Kampagne gegen Landminen in Südosteuropa und Irak. Bei seiner Deutschland-Tour will er Spenden für Projekte des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) sammeln. „Die Haltung von Präsident Bush ist in jedem Fall inakzeptabel, denn Krieg ist nicht einmal als Mittel der letzten Wahl legitim, Krieg darf niemals ein Mittel sein," ereifert er sich. Schnell aber ist er dann auch wieder der nette Herr Baumann. „Ich bin zum ersten Mal stolz auf euch", lacht der Schweizer. „Die Haltung der Bundesbürger in der Irak-Frage imponiert mir sehr, und auch Bundeskanzler Schröder hat in dieser Sache wirklich gute Arbeit geleistet."

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