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Der neue Bürgermeister von New York : Bill de Blasio - einer für alle

Der haushohe Sieg des kapitalismuskritischen Demokraten Bill de Blasio zeigt: New York will die große Trendwende. Die kann die Stadt bekommen. Bill de Blasio hat große Pläne. Manche sehen ihn schon für höhere Aufgaben geeignet.

Lars Halter
Bill de Blasio ha klar gewonnen: Der Linke ist New Yorks neuer Bürgermeister.
Bill de Blasio ha klar gewonnen: Der Linke ist New Yorks neuer Bürgermeister.Foto: AFP

New York City, 2021 – Bürgermeister Bill de Blasio verabschiedet sich nach zwei Amtszeiten. Wie geht der Film weiter? Ist es ein Horrorfilm aus einer Stadt ohne Gesetz, ein apokalyptischer Streifen voller dunkler Gestalten, Crack und Nutten? Die Gegner des hoch gewachsenen Linken, der am Dienstag die Wahlen am Hudson gewann, erwarten einen Albtraum. Doch seine Unterstützer sehen der Zukunft gelassen entgegen. Sie rechnen damit, dass der Boom der letzten Jahre weitergeht – aber nicht nur für die reiche Oberschicht, sondern auch für die unzähligen New Yorker, die sich ihre Stadt kaum noch leisten können.

Bill de Blasio hat große Ziele. Er will die Kluft zwischen „the one percent“ und dem Rest abbauen, die über Jahrzehnte entstanden ist. „Unsere Arbeit hat erst begonnen“, prophezeite er jubelnden Fans bei der Wahlparty am Dienstagabend.

New York will die Trendwende. Die Bürger der Ostküstenmetropole haben de Blasio mit überwältigender Mehrheit ins Rathaus gewählt. 73 zu 25 Prozent – ein sensationeller Sieg, der noch die kühnsten Fantasien der Demokraten übertraf. „Ein Mandat“, wie de Blasio sagt, der sich umgehend an die Arbeit machen will und der dafür einen freundlichen Stadtrat mit demokratischer Mehrheit um sich hat. Und einen demokratischen Gouverneur in der Hauptstadt Albany, dessen Unterstützung er hin und wieder brauchen wird.

Bill de Blasio könnte Einfluss auf die ganzen USA nehmen

Zwar wird ihm Gouverneur Cuomo bei seinem wichtigsten Vorhaben nur bedingt helfen können: Selbst die liberale „New York Times“, die vor der Wahl eine deutliche Wahlempfehlung für den Hünen aus Brooklyn ausgesprochen hatte, geht davon aus, dass Steueranhebungen für die Reichen im Senat des Bundesstaats auf massiven Widerstand stoßen werden. Doch muss man jetzt schon diskutieren, was de Blasio durchsetzen kann und was nicht?

Eines ist sicher. Mit seinem überzeugenden Sieg am Dienstag hat de Blasio eine Trendwende eingeleitet, die in den nächsten Jahren die ganzen USA ergreifen könnte. Amerika wählt links. Und zwar richtig weit links. Das ist überraschend. Das Land ist in den letzten Jahren immer mehr nach rechts abgerutscht. Was hier als sozialistisch und kommunistisch verschrien ist, ist in anderen Ländern die politische Mitte. Um die Mitte geht es Bill de Blasio allerdings längst nicht mehr. Wie in den Achtzigern, als er für einige Zeit die Sandinistas in Nicaragua im Kampf gegen die amerikanische Einflussnahme unterstützte, kämpft er auch jetzt für den Underdog, für die Schwarzen, die von der Polizei diskriminiert werden, für die 50 000 Obdachlosen und die Millionen New Yorker, die unter oder nahe der Armutsgrenze leben. Sie sollen mehr Kita- und Vorschulplätze bekommen, bessere Schulen und Chancen, günstigeren Wohnraum in einer Stadt, die sich seit langer Zeit nur noch Millionäre leisten können.

Amerikas Vorzeige-Linke nicht mehr lang allein?

Wie weit sich die politische Denke von de Blasio in Washington durchsetzen wird, bleibt abzuwarten. Für den links orientierten Blog „Huffington Post“ ist der Mann bereits „America’s Mayor“ – ein Bürgermeister für das ganze Land. Dabei gibt es auf nationaler Ebene gerade einmal einen einzigen wichtigen Politiker, der so links aufgestellt ist wie de Blasio: der unabhängige Senator aus Vermont, Bernie Sanders. Doch vielleicht sind Amerikas Vorzeige-Linke nicht mehr lang allein. Darauf lassen die Gouverneurswahlen schließen, die am Dienstag in zwei Bundesstaaten stattgefunden haben.

Die Republikaner haben sich im eher demokratischen New Jersey durchgesetzt, weil ihr Kandidat Chris Christie eben kein Hardliner ist, sondern etwa nach dem Wirbelsturm Sandy eng mit Präsident Barack Obama zusammenarbeitete. Außer für Christie stimmten die Wähler in New Jersey zudem für eine Anhebung des Mindestlohns, ein Kernziel der Demokraten. Die Republikaner vom rechten Rand haben indes in Virginia verloren, einst eine Bastion der Partei. Rückt das ganze Land nach links?

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