Welt : Der Preis der Freiheit

Warum die Sahara-Geiseln nur 2301 Euro erstatten sollen

Christian Hönicke,Jan Dirk Herbermann

Von Christian Hönicke

und Jan Dirk Herbermann

Wie teuer ist die Freiheit? Die bedeutendsten Philosophen der Geschichte stellten sich diese Frage, sie alle kamen mehr oder weniger zum gleichen Schluss: Der Wert der Freiheit ist nicht zu beziffern. Sie haben sich alle geirrt. Das Auswärtige Amt hat den Preis nun exakt ausgerechnet: Er beträgt 2301 Euro.

Genau diesen Betrag jedenfalls sollen die deutschen Abenteuertouristen für ihre Befreiung im August dieses Jahres zahlen, nachdem sie fast sechs Monate lang irgendwo in der Sahara von islamistischen Entführern festgehalten wurden. Damit will die Bundesregierung die Kosten für Telekommunikation, Dienstfahrten sowie den Rückflug aufrechnen. Die deutschen Mitglieder der 17-köpfigen Geiselgruppe, die schon im Mai freikam (und entsprechend weniger Kosten verursacht hat), müssen lediglich 1092 Euro zahlen.

Diese Beträge sind angesichts monatelanger Qual und Todesangst in der Wüste, der wiedergewonnen Freiheit und den tatsächlichen Befreiungskosten für die Bundesregierung von geschätzten 20 Millionen Euro wohl eher symbolisch zu verstehen. Ein Umlegen der gesamten Kosten auf die Geiseln hätte das so genannte Konsulargesetz, das Hilfe für Deutsche im Ausland vorschreibt, ohnehin nicht hergegeben. Walter Lindner, der Pressesprecher des Auswärtigen Amtes, hatte zudem am Montag angekündigt, bei der Zahlungsaufforderung für die Befreiungsaktion „die Leistungsfähigkeit der Betroffenen zu berücksichtigen“.

Rainer Bracht sieht seine finanzielle Potenz allerdings überfordert. Der Mann aus Detmold gehört zu den Geiseln, die länger festsaßen und deshalb auch den höheren Betrag von 2301 Euro in dem Bescheid vom Auswärtigen Amt vorfinden. „Für mich ist das viel Geld“, sagt er. Bracht will den Betrag zwar bezahlen, aber wenigstens um eine Stundung bitten.

Das erscheint zumindest möglich. Im Auswärtigen Amt zieht man wohl zumindest die Möglichkeit in Betracht, dass einige ehemalige Geiseln anstandslos zahlen werden, andere dagegen nicht. Die Verweigerer erwartet dann ein ganz normaler bürokratischer Vorgang. Will heißen: Bei Nichtzahlung wird fristgerecht gemahnt. Die ehemaligen Geiseln haben die Möglichkeit, innerhalb eines Monats Klage gegen die Bescheide einzulegen – danach gelten sie als verbindlich. Angaben zu dieser Angelegenheit möchte man im Auswärtigen Amt nicht machen, um Terroristen bei ähnlichen Aktionen so wenig Angriffspunkte wie möglich zu bieten.

Am meisten stößt sich Bracht an der Begründung der Zahlungsaufforderung, die seinen Angaben entsprechend wie folgt lautet: „Es gibt eine erhebliche öffentliche und politische Erwartungshaltung, für die Sie sicherlich Verständnis haben.“ Tatsächlich war nach der Befreiung der in der Sahara Gekidnappten in Deutschland eine Debatte darüber entbrannt, ob man die Entführungsopfer zur Kasse bitten sollte, da sie sich „leichtsinnig“ in Gefahr begeben hätten. Bracht hält es für „total populistisch“, dieser Forderung nachzugeben. Außerdem empfindet er es als ungerecht, dass er nur deswegen zahlen soll, weil er im Ausland entführt wurde – zumal es für Algerien keine konkrete Reisewarnung des Auswärtigen Amtes gegeben hätte. „Eine Geisel in einem Bus in Bremen muss für ihre Befreiung nichts zahlen.“

Nicht ganz so schnell im bürokratischen und politischen Alltag hat sich Brachts Gefährte Witek Mitko zurückgemeldet. Der Augsburger sieht der Zahlungsaufforderung gelassen entgegen: „Wenn ich in der Wüste gefragt worden wäre, was ich für eine Befreiung bereit bin zu zahlen, hätte ich ganz andere Summen genannt.“

Schweiz: Kostenbeteiligung unklar

Ob auch die vier schweizerischen Sahara-Geiseln zur Kasse gebeten werden oder nicht, hat die Regierung in Bern noch nicht entschieden. „Das ist noch nicht klar“, sagte ein Sprecher des Schweizer Außenministeriums. Die Kostenerhebung sei noch nicht abgeschlossen. Die Kosten der Eidgenossen für die Rettung der beiden Frauen und Männer dürften jedoch unter denen der deutschen Regierung liegen.

Denn die Schweizer Behörden übergaben der deutschen Regierung die Führung bei der Befreiungsoperation und hatte demnach weniger Kosten zu tragen. Den Betroffenen gehe es in jedem Fall wieder gut, betonte der Sprecher.(Unter Verwendung von dpa)

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