Welt : Der rutschende Berg Messner: Klimawandel Ursache für Steinlawine

Bozen - Der Bergsteiger Reinhold Messner (63) sieht den weltweiten Klimawandel als Ursache für die gigantische Steinlawine, die sich am Freitag von einem Berg in den italienischen Dolomiten gelöst hatte. „Der Bergrutsch im Fischleintal ist zumindest teilweise vom Klimawandel ausgelöst worden“, zitierte die italienische Nachrichtenagentur Ansa am Samstag den Südtiroler. „Künftig wird es noch viel größere Steinlawinen geben“, fügte er hinzu.

In den Sextener Dolomiten hatte der spektakuläre Felssturz am Freitag sowohl Besucher als auch Gäste und vor allem Hilfsmannschaften in Atem gehalten. Verletzt wurde offenbar niemand; allerdings sahen sich 13 Alpinisten für ein paar Stunden oben auf dem Berg eingeschlossen.

Vom 2698 Meter hohen Einserkofel oberhalb des Fischlein-Tals, wo auch Bundeskanzlerin Angela Merkel gerne urlaubt, rutschte eine hundert Meter hohe, mindestens zwanzig Meter breite Felsmasse ab. 60 000 Kubikmeter Stein donnerten zu Tale; einige kleinere Felsstürze folgten.

Zu sehen war mehrere Stunden lang nichts; dichter Staub – begünstigt durch den hohen Kalk-Anteil des Gesteins – verdeckte die Bergflanke. Ein Teil des Gerölls rutschte bis zu einem Wanderpark und zu einer derzeit ungenutzten Schutzhütte am Fischleinboden ab. Danach sah es ringsherum aus wie nach einem dichten Schneefall; am Talboden lag der Staub bis zu zehn Zentimeter hoch.

Die Dolomiten im Allgemeinen und – nach Aussage von Bürgermeister Fritz Egarter – die Flanke des Einserkofels im Besonderen gelten ihres porösen, zerklüfteten Kalksteins wegen als brüchiges Gebiet. Die Steinlawine vom Freitag, so vermutet man, war vom Wetter in den Tagen zuvor ausgelöst worden: Der zunächst gefallene Schnee war getaut, das Wasser in die Felsen eingedrungen – und in der Nacht zum Freitag hatte es erneut gefroren. Das könnte den Stein an einer ohnehin gefährdeten Stelle abgesprengt haben.

Messner sieht als Grund die Erderwärmung an. „Bisher waren die Permafrostareale in hohen Lagen wie eine Art Klebstoff für die Felsen, aber jetzt ziehen sie sich zurück“, erklärte er. pak/dpa

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