Welt : Der Schauspieler eröffnete den Club Trompete am Lützowplatz

Sebastian Schneller

Ben Beckers Nachtclub-Eröffnung wurde zu einem Suchbild mit W-Fragen: Wo steht mein Name auf der Gästeliste? Wie schiebe ich mich durch das Gedränge zur Bar und vor allem: Was fehlt?

Eine ganze Menge! Freigetränke nach Mitternacht zum Beispiel oder die versprochenen Türsteher in Uniform und das Buffet. Stattdessen musste man auch die Zigarren bezahlen. Die Tür wurde von einem beleibten Vollbart im eingelaufenen Smoking bewacht und die meisten Gespräche der hungrigen Gäste drehten sich ums Essen.

Die schönste Geschichte wusste Peter Fitz und die ist lange her. Als Fitz noch jung war und sein erstes Engagement im Schlosstheater Celle antrat, ging er trotz knapper Gage in den Ratskeller, erkannte auf Anhieb die Tochter des Pächters beim Mittag, brach einen Flirt vom Zaun und speiste danach immer gratis. Leider fehlte auch Beckers Chefschreibtisch fürs Club-Hinterzimmer und noch ein paar andere gediegene Möbel, was das Echo der Gäste ganz unterschiedlich ausfallen ließ.

Die Kommentare reichten von: "Ist ja toll hier" (Barbara Schöne, Schauspielerin und Alleinerziehende, die sich freut, dass ihr Sohn endlich groß wird und sie auch wieder mal länger weggehen kann) bis "Konzept funktioniert nicht, weil die Mädels fehlen" sagte Markus, ein bekennender Becker-Bekannter. Markus muss es wissen, weil er schon x-Jahre in Berlin als Barkeeper arbeitet. Seine These: Damit die gewünschte Zielgruppe der 30plus, Gutverdiener aus der Kreativen-Szene, auch tatsächlich kommen, muss der Club auch von jungen Mädchen besucht werden. Aber die mögen wiederum Live-Musik nicht, die in der Trompete jedoch jeden Abend gespielt werden soll.

Während der Eröffnungsfeier reichte das Repertoire von Jazz, Latin und Soul bis zu schlichten Schlagern zum Mitsingen im späteren Verlauf des Abends. Wer fehlte? Udo Walz. Wer fehlte nicht? Mindestens ein verbürgter Immobilien-Makler, ein Filmproduzent, eine Türsteherin, und natürlich nicht die Becker-Eltern Otto Sander und Monika Hansen. Und der obligatorische Westbesuch.

Der Westbesuch kam nicht nur rein geographisch aus vollkommen entgegengesetzten Wirkungsfelder: Der Grünen-Fraktionschef Rezzo Schlauch war aus Stuttgart angereist. Kalle Schwensen aus St. Pauli. Früher haben ihm Bordelle gehört. Heute sammelt Schwensen moderne Kunst. Ben Becker kennt er, seit der mit 14 mit einer Punk-Rock-Band in seinem Club spielte und sich hinterher mit ihm prügeln wollte: So beginnen echte Männerfreundschaften.

Standesgemäß erschien Kalle mit Zigarre und weiblicher Begleitung an jeder Seite. Die beiden Damen des Abends waren seine Geschenke zu Eröffnung. Wenig später fehlte beiden alles bis auf eine allerletzte Hülle.Die Striptease-Tänzerinnen Chris und Doris tanzten sich mit ihrer direkten Art in die Herzen des Publikums und ihr Opfer aus der Publikumsbeteiligung fast um den Verstand, der konnte seine Haut nur mit panischer Flucht von der Bühne retten. Dabei boten sich genügend Gelegenheiten, die Vorzüge der hinten verspiegelten Bühne auszunutzen: Unverstellte Sicht auf alle Körperstellen!

Was fehlt? Ob Berlin eine Bar wie die Trompete bislang gefehlt hat, wird sich noch zeigen müssen.

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