Welt : Der Schlagersänger schwebt noch immer in Lebensgefahr

Bei Fans und Freunden herrscht nach Rex Gildos Selbstmordversuch tiefe Betroffenheit: Anhänger schicken dem schwer verletzten Schlagersänger, der in der Münchener Uniklinik nach wie vor im künstlichen Koma liegt, Blumen und Geschenke. Auch Silvana Krieg von der Münchener Plattenfirma Koch International, die vor kurzem ein neues Album des 60-Jährigen veröffentlichte, ist bestürzt: "Ich leide mit ihm wie mit einem Freund." Sie kenne den Sänger seit Jahren und schätze ihn als "unglaublich höflichen und geselligen Typ".

Zwei Tage nach seinem Selbstmordversuch haben die Ärzte am Montag in München weiter um das Leben des Schlagersängers Rex Gildo gekämpft. "Ich kann nicht sagen, dass wir über den Berg sind", sagte der Direktor der chirurgischen Universitätsklinik der Münchner Universität, Wolf Mutschler, vor Journalisten in München. Der 60-Jährige liege weiter im künstlichen Koma und müsse erneut operiert werden. Gemessen an den schwerwiegenden Verletzungen seien die Ärzte mit dem Zustand des Patienten aber "zufrieden". Mutschler gab keine Prognose zum weiteren Krankheitsverlauf ab.

Die "kritische Phase" dauere normalerweise etwa fünf Tage. Voraussagen über bleibende Gesundheitsschäden seien noch nicht möglich. Rex Gildo war am Sonnabendabend in München aus dem Fenster gesprungen. Mutschler sagte, die Ärzte hätten vor allem mit einer "Ganzkörper-Entzündungsreaktion" des prominenten Patienten zu kämpfen. Der Klinikdirektor verwies darauf, dass die Medizin erst seit etwa zehn Jahren überhaupt in der Lage sei, Patienten mit derart schweren Verletzungen zu retten. Nach Angaben des Arztes haben nur Rex Gildos Frau und ein paar wenige Freunde Zutritt zu dem Schwerverletzten.

Nach Angaben seines Frankfurter Managers Uwe Kanthak verkaufte Rex Gildo bislang über 39 Millionen Platten und produzierte insgesamt 60 verschiedene Alben. Zuletzt erhielt er vor rund zwei Wochen den Schlagerpreis "Goldene Stimmgabel". Trotz seiner langen Karriere gab sich der stets braun gebrannte und lächelnde Münchener mit dem Image-Slogan "forever young" auch als 60-Jähriger stets dynamisch. "Mein Tatendrang ist gewaltig, fast so wie bei einem 28-Jährigen", erklärte er erst im Mai anlässlich der Veröffentlichung seines neuen Albums.

Fans, Kollegen und Schlagerexperten rätseln denn auch, was den Künstler dazu trieb, aus dem Fenster zu springen. Uwe Hübner, Moderator der ZDF-Hitparade, sieht darin, wie berichtet, eine "Verzweiflungstat aus Einsamkeit". Gildo habe sich verlassen gefühlt, die Auftritte in Festzelten und auf Schiffen hätten ihn zermürbt und gekränkt.

Derartige Spekulationen weist sein Manager allerdings vehement zurück. Auftritte in Festzelten seien nicht schlechter als Gala-Vorstellungen und hätten nichts mit "Tingeln" zu tun. Gildo sei auch nicht "einsam" gewesen, sagt Kanthak, der den Sänger seit 1983 betreut. Auch Silvana Krieg kann sich nicht vorstellen, dass die Auftritte in den Festzelten Gildo demprimiert haben sollen. Dies sei schließlich auch bei anderen Künstlern üblich.

Mit dem Hit "Kleiner Gonzales" hatte Rex Gildo 1962 endgültig den Durchbruch geschafft. "Fiesta Mexikana" ("Hossa, Hossa") wurde schließlich zum Rex-Gildo-Titel schlechthin. In den vergangenen Jahren wurde es eher ruhig um den Künstler, der mit Auftritten bei Galas und Betriebsfesten aber weiter im Geschäft blieb.

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