Welt : Der Schnee kommt im Sturm

Die Meteorologen sagen für den heutigen Donnerstag heftige Flockenwirbel, Wind und Glatteis voraus – Chaos in Frankreich

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Berlin/Paris - Der Winter demonstriert wenige Tage vor dem Jahresende in Teilen Europas seine eisige Macht: Am heutigen Donnerstag muss mit viel Neuschnee, Stürmen und schweren Verkehrsbehinderungen gerechnet werden. Für Deutschland erwartet Jörg Kachelmann, Chef des Wetterdienstes Meteomedia, einen „Schneesturm der gröberen Sorte“ mit bis zu 30 Zentimetern Neuschnee in Nordostdeutschland. Auch der Deutsche Wetterdienst (DWD) in Offenbach rechnet vor allem an den Küsten mit starken Schneeverwehungen und warnt vor „extremer Glatteisgefahr“.

Tief „Holger“ bringt von Ostdeutschland bis nach Bremen intensive Schneefälle. Kachelmann sagte am Mittwoch: „Wir müssen davon ausgehen, dass nicht jedes Haus am Donnerstag erreichbar ist und dass der Verkehr sicherlich stark beeinträchtigt wird.“ Bereits am Mittwoch führten Schnee und Eisglätte zu Verkehrsbehinderungen, die meisten Unfälle verliefen jedoch glimpflich. Vor allem in Südwestdeutschland kam es zu Verkehrsbehinderungen. Der ADAC registrierte laut einem Sprecher „Glätteunfälle und Behinderungen durch Schneemassen“. Die Flughäfen Frankfurt am Main und Stuttgart meldeten Verzögerungen von rund einer halben Stunde. Ein Bahnsprecher sagte, es habe trotz der Schneefälle „bundesweit keine nennenswerten Störungen“ gegeben.

Des einen Leid, des anderen Freud: Skifahrer und Rodler freuen sich über die weiße Pracht. Am Mittwoch wurde Deutschlands nördlichster Skilift am Bungsberg in Ostholstein in Betrieb genommen. Der Bungsberg ist mit 168 Metern Schleswig-Holsteins höchster Berg. Das einzige offizielle Skigebiet des Bundeslandes ist an Winterwochenenden Anziehungspunkt für viele tausend Skifahrer, Rodler und Snowboard-Freaks aus dem Norden.

Am Freitag kommt vorübergehend ein Zwischenhoch zur Geltung. Die Wolken lockern auf, und im Großteil der Republik zeigt sich zeitweise die Sonne. Die Höchstwerte reichen von minus sechs Grad an der Donau in Bayern bis plus zwei Grad an der See. Das Wochenende beginnt insgesamt deutlich milder. „Eine Warmfront bringt Deutschland zum Wochenende hin milde Atlantikluft und Tauwetter“, erläuterte Meteomedia-Meteorologe Martin Puchegger.

In Frankreich mussten wegen starker Schneefälle bis zu 10 000 Autofahrer die Nacht zum Mittwoch in ihren Fahrzeugen ausharren. Feuerwehrleute versorgten die Autofahrer mit Getränken und Essen. Besonders dramatisch war die Situation in Ostfrankreich, wo innerhalb von 24 Stunden mehr als 20 Zentimeter Schnee fielen. „Wir haben zwölf Stunden gebraucht, um die Lage wieder zu normalisieren“, berichtete Präfekt Claude Baland in Nancy. Die Verbindung von Glatteis und Schnee habe den Einsatz von Streufahrzeugen erschwert. Der Verkehr sei im Verlauf des Mittwochvormittags „nur sehr langsam“ wieder in Gang gekommen. Hunderte von Fahrzeugen waren in der Nacht auch auf der westfranzösischen Autobahn A 84 in der Normandie blockiert. Etwa 30 Zentimeter Schnee sorgten dafür, dass die Autobahn zeitweise in beide Richtungen gesperrt werden musste, teilte die Polizei mit. Betroffen waren auch Autobahnen in Lothringen und in Richtung Italien.

Schneechaos auch in Norditalien: In weiten Teilen der Lombardei und an der ligurischen Küste fielen am Mittwochmorgen zwischen 10 und 30 Zentimeter Schnee. Mehrere Autobahnen mussten für mehrere Stunden geschlossen werden, darunter auch die Verbindung nach Ventimiglia an der französischen Grenze.

Die Schweiz rechnete für die Nacht zum Donnerstag in weiten Teilen der Alpen mit neuen Schneefällen und anhaltend tiefen Temperaturen. Mit fast minus 23 Grad Celsius hält nach Rundfunkberichten derzeit das Schweizer Engadin den Kälterekord des Landes. Auch ganz Österreich liegt seit Mittwoch unter einer dichten Schneedecke. Zahlreiche Straßen in den Alpen sind nur noch mit Ketten zu befahren, mehrere Straßen, darunter die Silvretta-Hochalpenstraße, sind für den Verkehr gesperrt. Wegen des tiefen Neuschnees meldeten die Wetterdienste erhöhte Lawinengefahr in den Alpen.

In Rumänien haben die Behörden vor Hochwasser gewarnt. Angesichts steigender Temperaturen auf bis zu 12 Grad und erwarteter Schneeschmelze bei gleichzeitigen heftigen Regenfällen sei insbesondere die Karpatenregion im Westen und in der Mitte des Landes gefährdet. dpa

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