Welt : Der singende Tourismusminister

Für das neues Amt geht der Panamaer Ruben Blades von New York zurück in seine Heimat. Er sagt: „Ich habe die Bühnen gewechselt“

Sandra Weiss[Montevideo]

Er wird der zweite singende Minister Lateinamerikas sein: Ruben Blades. Am Mittwoch wird der 56-Jährige beim Amtsantritt des neuen Präsidenten Panamas als Tourismusminister des mittelamerikanischen Landes vereidigt werden. Wie für seinen brasilianischen Kollegen Gilberto Gil wird damit für den Künstler ein Balanceakt zwischen Kultur und Regierungsverantwortlichkeit beginnen. Ich verlasse jetzt erst mal die musikalische Bühne und betrete die politische“, sagte der schmächtige, hellhäutige Nachfahr britischer Einwanderer mit dem verschmitzten Lächeln, als Journalisten ihn vor einigen Tagen zu seiner bevorstehenden Nominierung befragten. Der Ministerposten kommt jedoch nicht aus heiterem Himmel, hatte Blades doch schon für den siegreichen Präsidentschaftskandidaten Martin Torrijos den eingängigsten Wahlkampfschlager komponiert und interpretiert. „Wir wollen Großputz machen und in Frieden leben. Mit Martin an der Spitze können wir die Regierung auf den richtigen Pfad bringen“, hatte Blades zu eingängigen Salsa-Klängen gedichtet.

Blades stammt aus einfachen Verhältnissen – sein Vater verdiente erst als Jockey, dann als Basketballspieler und schließlich als Detektiv sein Geld. Beide Eltern gaben ihre Liebe zur Musik an ihre Kinder weiter. Dennoch studierte Ruben nach der Schule erst einmal etwas Handfestes: Jura. Überlagert wurde seine Studentenzeit vom Tod des beliebten, populistischen Generals Omar Torrijos und der Machtergreifung des Diktators Manuel Noriega. So schlich sich die Politik ins Leben des angehenden Anwalts und Hobbymusikers. Davon zeugten später Lieder wie „Desapariciones“ (1984), in dem er die Straffreiheit und die brutalen Übergriffe der Polizei brandmarkt. Die bedeutungsschweren Texte mit den leichten Rhythmen wurden als „Salsa social“ bekannt und machten aus Blades eine Ikone der linken politischen Bewegungen auch weit über Lateinamerika hinaus. Mehrfach wurde er mit dem Grammy Latino ausgezeichnet. Dabei lebten er und seine Familie seit Ende der 70er Jahre in den USA im Exil. In Harvard machte Blades einen Master, und in den USA begann seine Karriere als Musiker, Schauspieler und Schriftsteller. Derart verbunden fühlt sich der Sänger seiner Wahlheimat, dass er bei Interviews darauf achtet, dass sein Nachname englisch ausgesprochen wird.

1994 kandidierte er bereits einmal für die Präsidentschaft in Panama und landete auf dem dritten Platz. Damals sei es ihm mehr darum gegangen, frischen Wind in die Politik zu bringen. Doch seine Partei überlebte nur kurz. Blades, der über 20 Alben aufgenommen hat, gilt als schwierig und aufmüpfig, weil er ein Portal zur Internetvermarktung lateinamerikanischer Musik aufgebaut hat, um den Einfluss der großen Produzenten zu umgehen. Der Tourismus ist in Panama ein aufstrebender Wirtschaftszweig. 2003 besuchten 897 000 Touristen das schmale Land mit dem strategisch wichtigen Kanal – und brachten 805 Millionen Dollar mit.

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