Der Tag, an dem … : … der Sheng Lu röhrt

„Professionelles Naming“ – das wird am heutigen Tag in der Globalisierungsdebatte garantiert komplett vergessen – ist unheimlich wichtig. Ohne „professionelles Naming“ und „emotionale Positionierung“, wahlweise auch durch „Renaming“ als Teil des „Change Management Prozesses“ (sorry, die reden halt so, diese Namer), ohne diese Dinge geht in der Globalisierung praktisch nichts. Es gibt ja auch eigene Namensagenturen, die nicht etwa helfen den hippesten Namen fürs neugeborene Töchterlein zu finden, nein, die suchen Produktnamen, zwecks der emotionalen Positionierung und so. Die, also die Agenturen, heißen dann „Nomen“ (ha, ha: est omen).

Da macht sich der normale Globalisierungsgegner ja gar kein Bild davon, wie wichtig so eine Namensgebung ist. In der globalisierten westlichen Welt fällt das vielleicht nicht so auf. Da braucht man in Paris keinen Chasseurmaitre zu bestellen, in New York keinen Huntermaster, dort weiß man längst, dass der Jägermeister dieses hippe, etwas klebrige Gesöff ist, das von Wolfenbüttel in Niedersachsen seine Reise um den Globus angetreten hat. Ältere Herrschaften werden sich noch an Herrn Mast erinnern, den Firmenchef, und an Eintracht Braunschweig, die mit dem Firmenlogo auf der Brust fast mal Deutscher Fußballmeister geworden sind. Nein, mit Mast ist Eintracht nicht Deutscher Meister geworden. Deutscher Meister war sie, da war an Mast als Sponsor noch nicht zu denken. Dann aber: Mast, mit Haarkranz um den kahlen Schädel, und Braunschweig, das ist wohl das Hippeste, was man kriegen kann.

Aber egal. Es geht um China. In China hieß der Jägermeister lange Zeit Sheng Lu. Sheng Lu ist so ähnlich wie Hong Niu, was „Rotes Rind“ heißt, und dann kann man fliegen, weil das rote Rind nämlich bei uns der Red Bull ist. Sheng Lu heißt „heiliger Hirsch“. Wer will das oder den denn saufen? Zumal, wie einschlägige Sinologen behaupten, Sheng Lu für chinesische Ohren nach Medizin klingt (na ja, so schmeckt das auch) und nach Altmännergesöff (na ja, und das war es ja auch lange) und, schlimmer noch, nach einem Mittelchen gegen Impotenz. Das ist ganz schlecht, wenn die Zielgruppe aus diesen besser verdienenden, jungen Chinesen besteht, die alle so hipp und trendy sind wie es Herr Mast war. Man sieht an dem Beispiel, dass die Globalisierung viel schwieriger und komplexer ist, als man sich das am Zaun von Heiligendamm und dahinter vielleicht denkt. Die Namer (gesprochen: näimer) waren gefragt. Sheng Lu wurde umbenannt in Ye Ge, was „wilder Typ“ heißt. Aber wahrscheinlich nur ein kleiner Feigling ist. Prost.uem

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