Welt : Der Teddy erzählt hinterher alles der Tochter

Sabine Heimgärtner

Paris. Trockenübungen am russischen Weltraumbahnhof Baikonur: Alles ist geprobt. Heute wird sich die französische Astronautin Claudie Haigneré, wie sie seit kurzem nach ihrer Heirat heißt, mit zwei russischen Kollegen in die russische Sojus-Rakete kauern. Beim Countdown in der kasachischen Steppe wird Frankreichs ganzer Stolz links neben dem russischen Kommandanten sitzen. Dann geht es ab in die Lüfte, Richtung Internationale Raumstation ISS, 400 Kilometer von der Erde entfernt. Dort werden die drei Botschafter der sogenannten "Andromeda-Mission" von der Langzeitbesatzung bereits sehnsüchtig erwartet. Sie bringen Lebenmittel, Versorgungsgüter und wissenschaftliche Experimente ins All und haben sogar lebendiges Versuchsmaterial an Bord: Mehrere kleine Passagiere aus Ulm, Krallenfrosch-Kaulquappen. An ihrem Beispiel will der Ulmer Universitätsprofessor Eberhard Horn erforschen, wie sich die Schwerelosigkeit auf die Entwicklung des Gleichgewichtssinns auswirkt. Die Französin, die ihre Landsleute immer noch unter ihrem Mädchennamen André-Deshays kennen, startet als erste europäische Astronautin zur Weltraumstation ISS und nimmt als Bordingenieurin wichtige Aufgaben in der Sojus-Rakete wahr. "Für die meisten Knöpfe bin ich zuständig", berichtet sie stolz.

Der Transporter, den sie zur ISS steuert, soll als Weltraum-Taxi im All bleiben, für Ausflüge rundum die Station, aber auch für den Notfall. Dann könnte die Langzeit-Crew der ISS mit dem Gefährt zur Erde zurück reisen. "Die Zeit ist viel zu kurz", das ist das einzige, was die mutige Frau im Hinblick auf ihren Weltraum-Trip beklagt.

Claudie ist ein alter Hase. Bereits 1996 verbrachte sie zwei Wochen im Weltraum, an Bord der inzwischen ordnungsgemäß verglühten russischen Mir. Auch nach ihrem ersten Weltraumausflug verfolgte sie diszipliniert ihre Karriere und wurde 1998 bei einer anderen Mission Ersatzfrau für den französischen Astronauten Jean-Pierre Haigneré, heute Leiter des 16-köpfigen Astronautenteams der Europäischen Weltraumorganisation ESA. Das private Schicksal schrieben die Sterne: Als Ersatzfrau kam sie zwar nicht zum Einsatz, dafür aber heiratete sie den Kollegen Jean-Pierre.

Wenn die Astronautin auf dem Balkon ihrer etwas tristen russischen Plattenbau-Wohnung in der "Sternenstadt" vor Moskau steht und von ihrer Arbeit erzählt wird klar, dass sie ihren Traumberuf gefunden und sogar die dreijährige Tochter Carla bereits angesteckt hat. Weil die sich nichts sehnlicher wünscht, als eine genaue Beschreibung der Reise ins Weltall, nimmt Mama Kosmonaut den kleinen Plüsch-Teddybär mit in die Sojus-Kapsel. Er wird seine eigenen Erfahrungen mit der Schwerelosigkeit machen und Tochter Carla dann alles erzählen müssen.

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