Welt : Der Tod fiel vom Himmel

Eine Gruppe deutscher Kinder und Jugendlicher ist am Montagmittag auf dem Weg zum Skilaufen auf den Gletschern der Ötztaler Alpen. Zur gleichen Zeit steigt ein Transporthubschrauber auf, um einen 750 Kilogramm schweren Betonkübel zur Bergstation der "Schwarzen Schneidbahn" zu bringen.

Sölden (05.09.2005, 21:41 Uhr) - Der Pilot kann unter sich die Masten der Seilbahn sehen, als sich gegen 13.15 Uhr der Betonkübel aus seiner Verankerung löst. Der Behälter stürzt 200 Meter in die Tiefe, trifft mit voller Wucht eine mit fünf Skifahrern besetzte Kabine. Die Gondel wird aus ihrer Verankerung gerissen, stürzt mehr als 50 Meter in die Tiefe und bleibt zerschmettert auf dem Felsen liegen. Durch die Wucht des Aufpralls geraten zwei benachbarte Gondeln in unkontrollierte Schwingungen. «Es war wie ein riesiger Peitschenschlag», beschreibt der Geschäftsführer der Bergbahn in Sölden, Jakob Falkner. Sechs von acht Fahrgästen werden aus den Fenstern geschleudert und stürzen in die Tiefe.

«Sie hatten keine Chance. Einen Absturz aus dieser Höhe kann man nicht überleben», berichtet Notarzt Alois Schranz sichtlich betroffen. Zwei der Skiläufer aus der abgestürzten Gondel überleben den Aufprall, doch ihr Zustand ist «kritisch», heißt es.

Noch zwei Stunden nach dem grauenvollen Unglück liegen die mit Tüchern bedeckten Leichen von zwei Opfern neben dem Wrack der Gondel. Zwei der sieben Verletzten sind in kritischem Zustand. 35 Fahrgäste, die nach dem grauenvollen Umglück in den intakten Kabinen eingeschlossen sind, werden nach und nach befreit. Zwei Dutzend geschulte Helfer sind schon am Unglücksort, um die völlig geschockten Freunde und Angehörigen der Opfer psychologisch zu betreuen. Experten beginnen mit der Untersuchung der Ursache dieses vermutlich schwersten Gondelunglücks in der Geschichte Österreichs.

Was «dieses furchtbare, verrückte Unglück» (so ein Helfer) ausgelöst hat, ist zunächst völlig unklar. Der Pilot kann erstmal nicht vernommen werden. Er stehe «unter Schock», sagt der Chef der Salzburger Hubschrauberfirma, Roy Knaus.

Sein Unternehmen hat in den vergangenen Jahren immer wieder durch den Absturz von Helikoptern Schlagzeilen gemacht. Der Gründer des Unternehmens, Johannes Knaus, flog 1988 Papst Johannes Paul II. bei seinem Österreich-Besuch. Er starb 1997 beim Absturz eines von ihm gesteuerten Hubschraubers.

Doch auch die Schwarzen Schneid-Bahn hat eine «Geschichte». Im November 2004 mussten hier 113 Touristen nach einem Gondel-Absturz stundenlang bei starkem Frost in ihren Gondel ausharren, bis sie geborgen werden konnten. Danach war die Seilbahn wochenlang geschlossen. (Von Christian Fürst, dpa)

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