Der Vatikan und der Kuss : Benetton zieht umstrittene Montage zurück

Nach heftigem Protest des Vatikans hat das italienische Modeunternehmen Benetton die Fotomontage eines Kusses zwischen Papst Benedikt XVI. und dem ägyptischen Imam Ahmed el Tajjeb aus einer neuen globalen Werbekampagne zurückgezogen.

Knutschen statt hassen: Die neue Plakatkampagne von Benetton zeigt Politiker und andere Berühmtheiten beim Küssen. Doch Montage hin oder her: Die Bilder gefallen nicht jedem, besonders der Vatikan ist erbost über ein Plakat, das den Papst und den Imam von Kairo, Ahmed el Tajjeb, zeigt . Die Botschaft der Versöhnung kommt da wohl nicht so recht an. Es handele sich um einen "schweren Mangel an Respekt gegenüber dem Papst", empörte sich ein Vatikansprecher. Benetton zog das Bild daraufhin aus der Kampagne zurück. Man wolle schließlich "die Gefühle der Gläubigen nicht verletzen". Deshalb werden die Plakate jetzt also wieder eingerollt. Dem Vatikan reicht das aber nicht, er will "weltweit gegen die Publizierung" vorgehen.Alle Bilder anzeigen
17.11.2011 11:10Knutschen statt hassen: Die neue Plakatkampagne von Benetton zeigt Politiker und andere Berühmtheiten beim Küssen. Doch Montage...

Benetton habe die „Gefühle der Gläubigen“ nicht verletzen wollen, erklärte das für seine provozierende Werbung bekannte Bekleidungsunternehmen. Das zurückgezogene Werbeplakat, das in Benetton-Läden in aller Welt hängen sollte, zeigte Papst Benedikt XVI., den Kopf leicht zurückgeneigt, wie er seine Lippen auf die des ägyptischen Imams presst.

Vatikansprecher Federico Lombardi protestierte, es sei „absolut unannehmbar“, dass das Bild des Oberhaupts der katholischen Kirche manipuliert und für kommerzielle Zwecke ausgenutzt werde. „Es zeigt einen schweren Mangel an Respekt gegenüber dem Papst, einen Angriff auf die Gefühle der Gläubigen“, empörte sich Lombardi.

Weitere – nicht zurückgezogene – Bilder der Kampagne unter dem Titel UNHATE („Nicht-Hass“) zeigen Küsse zwischen US-Präsident Barack Obama und seinem chinesischen Kollegen Hu Jintao sowie zwischen Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und Palästinenserpräsident Mahmud Abbas. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy geben sich auf einer Fotomontage einen eher spitzmündigen Kuss. Die UNHATE-Bilder sind weltweit in Filialen der Modekette sowie in Zeitungen, Zeitschriften und auf Internetseiten zu sehen.

Benetton betonte nach der Rücknahme des Papst-Bildes, in der UNHATE-Werbekampagne gehe es „ausschließlich um den Kampf gegen die Kultur des Hasses“, der Kuss sei das universellste Symbol der Liebe. Es handele sich um eine „konstruktive Provokation“, erklärte Vize-Unternehmenschef Alessandro Benetton. Ziel sei es, „das Ideal der Toleranz weithin sichtbar zu machen“. Das Unternehmen verfolge soziale Ziele und setze sich aktiv für humanitäre Angelegenheiten ein. Dies habe „nicht auf andere Weise global kommuniziert werden können“.

Die Modefirma hatte bereits in den vergangenen 20 Jahren mit provokativen und teils schockierenden Werbekampagnen für Aufsehen gesorgt.

Umstrittene Werbefotos zeigten eine Nonne, die einen Priester in Soutane küsst, einen sterbenden Aids-Kranken und die blutbefleckte Uniform eines getöteten kroatischen Soldaten. AFP

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