Welt : Der vereinigte Osten

Brandenburg vorn – die neuen Länder haben beim Bundesvision Song Contest den Westen bezwungen

Torben Waleczek

Der Osten verbündet sich zu einer arglistigen Allianz, zu einem postkommunistischen Kollektiv in Sachen Unterhaltungskultur und mauschelt gegen die Westkonkurrenz. So ging das Gezeter nach dem „Eurovision Song Contest 2007“, als sich die osteuropäischen Länder gegenseitig die Stimmen zugeschanzt und die Serbin Marija Serifovic zur Siegerin gewählt hatten. Ganz ähnlich klingt es heute nach Stefan Raabs „Bundesvision Song Contest“. Nur ist der Osten diesmal eine Nummer kleiner: Die neuen Bundesländer, so munkelt nicht nur „spiegel-online“, schieben einander bevorzugt die Punkte zu. Das Ergebnis: Die Brandenburger Band Subway to Sally ist bei Raabs Musikwettbewerb mit dem Song „Auf Kiel“ auf Platz eins gelandet. Wie auch immer. Mit ihrem Mittelalter-Metal konnte die Gruppe die meisten Anrufer mobilisieren, schon letztes Jahr hatte mit Oomph! eine Band der härteren musikalischen Gangart gewonnen. Und noch etwas fällt bei diesen zwei Siegerbands auf: Ein Wettbewerb für Newcomer ist der „Bundesvision Song Contest“ nicht, die alten Spieler machen die Sache unter sich aus. Oomph! gibt es seit 19 Jahren, Subway to Sally sind immerhin schon 15 Jahre lang unterwegs und haben in dieser Zeit eine treue Fangemeinde aufgebaut.

Ebenfalls kein musikalischer Frischling mehr ist der Sänger Clueso. Vor drei Jahren war der smarte Junge mit der samtenen Stimme schon einmal bei Stefan Raab. Damals landete er auf Platz Nummer sieben, diesmal hätte Clueso fast gewonnen. Von den Siegern Subway to Sally trennte ihn nur ein einziger Punkt. Clueso kommt übrigens aus Thüringen, sein gutes Abschneiden dürfte das Geraune um die ungeliebte Ostzonensolidarität weiter anheizen. Den optischen Höhepunkt der Sendung lieferte ganz am Anfang der Hamburger Rapper Das Bo. So einfallslos sein Beitrag „Ohne Bo“ auch daherkam – allein für die unmögliche Minipli-Frisur aus den 70ern, die jetzt manche Männer wieder tragen, hätte er den Abend gewinnen müssen. Aber das verstehen nur Hanseaten. Die Berliner wiederum schickten die Gruppe Culcha Candela ins Rennen. Die Band spielt die gleiche Dancehall-Reggae-Musik wie die ebenfalls aus Berlin stammenden Seeed, und wie bei Seeed tapert bei Culcha Candela ein Männerturnverein mehr oder weniger schwungvoll-synchron über die Bretter der Bühne. Weil das natürlich wenig originell ist, belegten die Berliner nur einen mittelmäßigen siebten Rang. Noch schlechter war das Ergebnis für einige Wettbewerbsteilnehmer, die eigentlich als Favoriten gestartet waren. Der Schmuseschmachter Laith Al-Deen erreichte für Baden-Württemberg nur Platz neun, dahinter landeten die Sportfreunde Stiller aus Bayern. Eine schwache Bilanz für die westdeutschen Flächenländer. Beim nächsten Mal geht Stefan Raabs „Bundesvision Song Contest“ also in den Osten, in das Land der Siegerband Subway to Sally, nach Brandenburg. Aber: In ganz Brandenburg gibt es bislang keine Veranstaltungshalle, die groß genug wäre, um darin ein Musikspektakel dieser Dimension auszurichten. In Potsdam-Babelsberg wird derzeit an einer Event-Location für 5000 Besucher gebaut, fertig werden soll die Halle im Herbst. Aber ob die groß genug ist?

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