Welt : Der versteckte Prinz der Windsors

-

(dpa). Er ist eines der letzten Geheimnisse des britischen Königshauses – der „versteckte Prinz“. Es gibt keine Biografie über ihn und nur wenige Fotos. Und doch hat er gelebt: Prinz Johnnie, der jüngste Sohn von König Georg V. (1865 – 1936), dem Großvater der heutigen Königin Elizabeth II. (76). Wegen seiner epileptischen Anfälle wurde er bis zu seinem Tod als 13Jähriger am 18. Januar 1919 auf Schloss Sandringham „weggeschlossen“. Jetzt wirft eine Spielfilmserie der BBC erstmals Licht auf dieses dunkle Kapitel der Familie Windsor. Damit er möglichst mit niemandem in Kontakt kam, war er abseits in einem Bauernhaus untergebracht. Manchmal sah jemand, wie er dort aus dem Fenster starrte – oder im Wald spielte. Sehr groß soll er für sein Alter gewesen sein, was ihm den Beinamen „Monster-Kind“ einbrachte. Dabei war der blonde Junge mit dem Engelsgesicht während seiner ersten fünf Lebensjahre der strahlende Mittelpunkt einer sonst eher spröden Familie gewesen. Im Gegensatz zu seinen Geschwistern war er offen und ungezwungen. Dann aber begannen die Anfälle, über deren Ursachen und Behandlung man damals noch nichts wusste. Georg V., der gerade den Thron bestiegen hatte, empfand die Krankheit als Makel. Seine Liebe galt der Royal Navy, der Kriegsmarine, und dort durfte niemand dienen, der ein epileptisches Kind hatte. Also entschied sich der Herrscher, der als Erwachsener kein einziges Buch las, dafür aber schätzungsweise eine Million Vögel abschoss, sein Kind hinter Mauern abzusondern. Als Johnnie nach einem Anfall starb, sagte sein Bruder, der spätere König Eduard VIII.: „Gott sei Dank, das Tier ist tot.“

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben