Welt : Der wahre Vatertag

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Der Muttertag ist auch fast 100 Jahre nach seiner Erfindung noch „in“: 80 Prozent der Deutschen finden den Tag zu Ehren der Mütter zeitgemäß und wollen an ihm festhalten. Nur 14 Prozent meinen, der Muttertag, der in diesem Jahr morgen, am 12. Mai, begangen wird, sollte abgeschafft werden, wie eine Umfrage des Forschungsinstituts polis ergab. Besonders Männer nutzen den Muttertag nach Meinung der Familienpsychologin Christiane Papastefanou häufig, um ihr schlechtes Gewissen zu beruhigen. „Viele Männer haben Schuldgefühle, weil sie wissen, dass die Frauen den Löwenanteil der Hausarbeit leisten“, sagte sie. „Sie sind dann froh, etwas tun zu können, was sie sonst nicht oder nur selten tun.“    Dies erkläre auch, warum 83 Prozent der Männer den Muttertag gut fänden, aber lediglich 76 Prozent der Frauen. Immerhin 17 Prozent der weiblichen Befragten sprachen sich sogar für eine Abschaffung des Ehrentages aus; bei den männlichen Umfrageteilnehmern waren dies elf Prozent.

   Vor allem bei jungen Menschen erfreut sich der Muttertag großer Beliebtheit: Von den Befragten unter 20 Jahren äußerten sich 88 Prozent positiv. Lediglich 6 Prozent lehnten ihn als nicht mehr zeitgemäß ab. Für Kinder und Jugendliche habe der traditionelle Muttertag eine wichtige Funktion, erläuterte Papastefanou. „Für viele ist das eine Art Familienfeiertag, sagte die Privatdozentin der Universität Mannheim. Die Berliner Psychologie-Professorin Monika Sieverding sprach sich hingegen für eine Abschaffung des Muttertags aus. „Der Muttertag ist ein übrig gebliebenes Relikt, das gepflegt wird, um an der Rolle der Mütter nichts ändern zu müssen“, sagte sie. Der Muttertag wurde erstmals 1905 von der Amerikanerin Ann Jarvis als privater Gedenktag begangen. dpa

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