Welt : Der Wald brennt: Allein in den USA wüten in 12 Staaten 65 Feuer

Es sind die schwersten Brände seit 50 Jahren: Auch am Freitag brannten in zwölf Bundesstaaten der USA insgesamt 65 Feuer. Bislang haben die Brände mehr als 340 000 Hektar Wald und Buschland vernichtet. "Was wir hier erleben, ist historisch", sagt Gary Benavidez vom Kontrollzentrum von Missoula im US-Bundesstaat Montana. "Wir sind erst am Anfang." Schon jetzt sind auch kanadische und mexikanische Feuerwehrleute im Einsatz. Nachbar Kanada hat bereits hunderte erfahrene Helfer in den Westen der USA geschickt.

Die Feuerwehrleute kämpfen in Arizona, Colorado, Idaho, Kalifornien, Montana, Nevada, New Mexico, Oregon, Texas, Utah, Washington und Wyoming mit den Flammen. Im Nationalpark Mesa Verde (Bundesstaat Colorado) mit seinen historischen indianischen Felsen-Pueblos hofften sie, den Brand am Freitag unter Kontrolle zu bekommen. Dort und in Utah half feuchteres Wetter.

Die langfristigen Folgen der Feuerkatastrophe bleiben möglicherweise regional auf den Westen der USA beschränkt (siehe nebenstehendes Interview). Aber mit der weltweiten Mobilisierung von Feuerprofis hat das Desaster schon jetzt eine globale Dimension erreicht. Die USA haben auch die weit entfernten Länder Australien und Neuseeland um Hilfe gebeten. Nach den Angaben einer Sprecherin der nationalen Feuerbekämpfungsbehörde in Boise (Idaho) hängt dies damit zusammen, dass die beiden Staaten ähnliche klimatische Bedingungen wie der Westen der USA. Vermutlich aus diesem Grund haben die USA bisher noch keine Unterstützung aus Deutschland angefordert. Nach Angaben des Auswärtigen Amtes in Berlin lagen am Freitag noch keine konkreten Anfragen vor.

Von Entwarnung keine Spur: Auch am Freitag wüteten die Brände im Westen der USA auf einer Fläche, die größer ist als Mallorca. Zwar brachte die Feuerwehr in Nevada mehrere Brände unter Kontrolle; aber fast 5000 Hektar Land standen am Freitag immer noch in Flammen. Die Behörden von Washington meldeten elf neue Brände, und in Oregon mussten Teile einer Autobahn wegen eines Feuers gesperrt werden. Auch in den Staaten Wyoming und Colorado tobten die Flammen weiter. Nach Angaben der Behörden im Bitterroot Valley im US-Staat Montana wurden in der Region bislang fast 1000 Anwohner evakuiert, mehr als 50 Häuser verbrannten.

Montana ist der am schwersten betroffene Bundesstaat. Dort gibt es wegen der Hitze und des heftigen Windes 20 Feuer, die sehr schwer zu bekämpfen sind. Wegen des Feuers fielen in Montana zwei 500-Kilovolt-Stromleitungen aus. Wie ein Sprecher eines Energieversorgungsunternehmens in Helena, der Hauptstadt von Montana, mitteilte, ist trotz des Ausfalls der beiden Leitungen zunächst keine Stromknappheit zu befürchten. Im Falle einer erneuten Hitzewelle könnte es aber zu Engpässen kommen, weil dann in allen Haushalten die viel Strom verbrauchenden Klimaanlagen laufen. An eine Reparatur der Leitungen sei wegen der lodernden Flammen südlich von Helena nicht zu denken, sagte Perry Gruber von der Bonneville Power Administration.

Die überwiegend in entlegenen, wenig besiedelten Regionen tobenden gigantischen Flächenbrände breiteten sich indes immer weiter auf Siedlungen und Unternehmen aus. In Montana wurden die Arbeiter von Gold- und Zinkminen aus Sicherheitsgründen nach Hause geschickt.

Vor allem in Montana wird eine weitere Verschlechterung der Lage befürchtet, da Meteorologen Unwetter mit starker Windentwicklung vorausgesagt haben. "Es geht nicht mehr um Eindämmung der Feuer, sondern nur noch um den Schutz von Menschen und Häusern", sagt Montanas Gouverneur Marc Racicot.

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