Welt : Der Wald brennt: Bei jedem zweiten Feuer ist der Mensch beteiligt (Interview)

Der Westen der USA leidet seit über einem Jah

Bernhard Burdick ist Landwirtschafts- und Klimaexperte am Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie. Der 39-Jährige arbeitete von 1992 bis 1994 für die vom Bundestag eingesetzte Enquête-Kommission "Schutz der Erdatmosphäre".



Der Westen der USA leidet seit über einem Jahr unter außergewöhnlicher Trockenheit. Sind Klimaveränderungen die Ursache für die Brände?

Ja. Schon in den neunziger Jahren ließ sich beobachten, dass durch die vom Menschen verursachte Klimaveränderung regional und zum Teil auch überregional Wetterextreme wie Stürme und lang anhaltende Trockenperioden deutlich zugenommen haben. Schon damals wurde die Prognose aufgestellt, dass sich bei einem Anstieg der weltweiten Durchschnitts-Temperatur um zwei bis drei Grad die Wahrscheinlichkeit für Waldbrände verdoppelt.

Die Waldbrände in den USA könnten aber auch eine Folge übergroßer Brand-Vorkehrungen sein: Das Unterholz, das normalerweise durch kleinere Brände etwa nach Blitzeinschlägen abgefackelt wird, ist über die Jahre immer dichter geworden und bietet jetzt dem Feuer gute Nahrung.

Man kann nicht ausschließen, dass mit anderen Bewirtschaftungsmethoden mehr "Todholz" in den Wäldern bleibt. Die Pflege der Wälder lohnt sich bei den schlechten Holzpreisen immer weniger. Mittlerweile geht man davon aus, dass Waldbrände zur Hälfte eine natürliche Ursache - etwa Blitzschläge - haben. Zur anderen Hälfte ist der Mensch beteiligt. Früher waren menschliche Aktivitäten als Ursache für Waldbrände weitgehend ausgeschlossen. Heute ist das anders. Der Mensch dringt immer weiter in Naturschutzgebiete vor. Mit den bekannten Hinterlassenschaften - von Glasscherben bis Zigarettenkippen.

Seit Jahresbeginn wurden in den USA insgesamt mehr als 1,7 Millionen Hektar Wald und Buschland verbrannt. Dies entspricht einem Gebiet von der Größe Thüringens. Hat das gewaltige Ausmaß Auswirkungen auf das weltweite Klima?

Ich glaube nicht. Es wird möglicherweise einen kleinen, messbaren Beitrag zum CO2-Anstieg in der Atmosphäre bringen.

Welchen Anteil tragen Waldbrände am weltweiten Anstieg der Kohlendioxid-Konzentration?

Die wesentliche Ursache für den CO2

Anstieg ist nach wie vor der Verbrauch der fossilen Energieträger Kohle, Öl und Gas. Waldbrände sind im Zyklus der Natur etwas ganz Natürliches.

Was bedeuten die Waldbrände für die künftige Luftqualität im Westen der USA?

Die wird sich auf jeden Fall verschlechtern. Die Stickoxide, die bei dieser Verbrennung entstehen, können lokal zu einem deutlichen Anstieg von Saurem Regen führen. Sie können auch die troposphärische Ozonkonzentration beeinflussen. Auch die Rauchschwaden können das lokale Klima beeinflussen.

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