Welt : Der Wald brennt: Der Smog als dritte Jahreszeit

Michael Streck

Wenn in Indonesien die Wälder brennen, gibt es nur eine Hoffnung: Regen. Bleibt er aus, kommt es zur Katastrophe wie im Herbst 1997. Damals vernichteten die Flammen 10 Millionen Hektar Wald. Eine Dunstglocke vernebelte den Himmel über weiten Teilen Südostasiens und bedrohte die Gesundheit Hunderttausender. Bringen die Passatwinde Regen, hält die Natur die von Menschen gelegten Brände in Schach. Seit Juni nimmt die Trockenheit wieder zu. Resignierend erwarten die Menschen nun die "Smog-Saison" wie eine dritte Jahreszeit.

Meist wenn es zu spät ist und die Feuer bereits ein gefährliches Niveau erreicht haben, droht die indonesische Regierung den Brandstiftern, verspricht deren schnelle Bestrafung und kündigt umfangreiche staatliche Hilfen an. Als Mitte Juli wieder große Waldflächen auf der Insel Sumatra brannten, berichtete die Zeitung "Straits Times" über den mangelnden Willen der Regierung, die bekannten Plantagen-Firmen zur Verantwortung zu ziehen.

Auch die erste demokratische Regierung Indonesiens hat bislang bei der Feuer-Prävention versagt - trotz politischem Druck aus dem Ausland, trotz internationaler Unterstützung für Trainingsprogramme zur Vermeidung und Bekämpfung von Bränden. Frustriert kündigte kürzlich ein EU-Beamter an, dass europäische Staaten nicht länger gewillt seien, Indonesien zu helfen, wenn das Geld buchstäblich in Flammen aufginge.

Feuer sind für Unternehmen immer noch der billigste Weg, Waldflächen in Plantagen umzuwandeln. Diese Praxis wurde nach den Bränden vor drei Jahren verboten, doch werden die strengeren Gesetze kaum durchgesetzt. Nur fünf der damals 145 angeklagten Holzfirmen wurden zu geringen Geldstrafen verurteilt.

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