Welt : Der weiße Killerfisch endet oft als Schillerlocke

PEER MEINERT

ROM .Nur die wenigsten deutschen Gourmets wissen, daß Schillerlocken aus dem Fleisch des Dornhais gemacht werden.Auch Fish and Chips, Leibspeise der Briten, wird häufig aus Haifischfleisch produziert.Und hinter der deutschen Spezialität See-Aal verbirgt sich trotz des irreführenden Namens das Fleisch von Haien.Von der Nordsee über Kaliforniens Küsten bis zum Südpazifik: Aus den Fischen mit dem Killer-Image sind weltweit gefährdete Tiere geworden.Erstmals versuchen Experten aus 80 Ländern in dieser Woche auf einer Konferenz der UNO-Ernährungsorganisation FAO in Rom einen internationalen Aktionsplan zum Schutz der Haie zu verabschieden - aber die Chancen stehen nicht eben günstig.

"Die kommerzielle Ausbeutung der Haifischbestände hat in den vergangenen 20 Jahren dramatisch zugenommen", warnt die FAO.Die Fangmenge und der Beifang hätten sich fast verdreifacht, auf 760 000 Tonnen pro Jahr.Längst geht es nicht mehr nur um Haifischflossen-Suppe und Schillerlocken, der Hai wird zum "Lückenbüßer" für traditionelle Speisefische."Je mehr die Bestände etwa von Thun- oder Schellfisch durch den Raubbau der industriellen Fangflotten schwinden, desto stärker werden andere Arten wie Haie genutzt", sagt Peter Püschel, ein Experte von Greenpeace.

Vor einigen Jahren noch so gut wie unbekannt, kommt heute auch in deutschen und europäischen Restaurants immer häufiger Haifischsteak auf den Tisch.Bereits elf der weltweit etwa 380 Haifischarten stehen auf der Roten Liste - darunter etwa der vermeintlich mörderische Weiße Hai, der Riesen- und der Heringshai, der einst vor der norwegischen Küste verbreitet war.70 andere Haiarten gelten als gefährdet.Nach Schätzung der Artenschutzkonferenz werden jedes Jahr 70 Millionen Haie getötet.

Haifischbestände gelten als extrem anfällig.Denn während die Weibchen der meisten anderen Fischarten jedes Jahr Tausende von Eiern produzieren, gibt es bei Haien nur zwei bis 20 Junge.Viele Arten haben nur alle paar Jahre Nachwuchs."Die meisten Haie werden gegenwärtig als Jungtiere gefangen, bevor sie überhaupt geschlechtsreif sind", warnt Greenpeace.Mangels Nachwuchs sei der "Zusammenbruch der Bestände absehbar".Die Umweltorganisation hat bereits zum Boykott von Schillerlocken, Haisteak und Haifischflossen-Suppe aufgerufen."Der Dornhai ist bei uns schon so weit verschwunden, daß eine kommerzielle Befischung nicht mehr möglich ist", meint Püschel.Zu den größten Haifisch-Fangnationen gehören laut FAO neben asiatischen Staaten, wie Japan und Indonesien, auch die USA, Frankreich, Großbritannien und Spanien.

Der "Internationale Aktionsplan zum Schutz und zur Nutzung von Haifischen" sieht zunächst einmal vor, daß endlich eine "Inventur" der noch vorhanden Bestände gemacht wird.Zugleich sollen die Staaten nationale Fangquoten für einen nachhaltigen Fischfang aufstellen."Eine der Ursachen, daß erst jetzt etwas geschieht, ist, daß den Fischen noch immer das Image des teuflischen Killers anhängt", sagt Püschel.Als Australien im vergangenen Jahr den Weißen Hai unter Schutz stellte, gab es Proteste.Dabei ist das Horror-Image weitgehend unberechtigt: Weltweit werden im Jahr nur 50 bis 80 Menschen von Haien angegriffen, nur fünf bis 15 Attacken gehen tödlich aus.Damit sterben weniger Menschen an Haifischbissen als an Wespenstichen, betonen Experten.

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