Welt : Der Widerspenstigen Sieg

Ruslana hat mit ihrem wilden Auftritt gewonnen – und mit neuer PR-Strategie

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Istanbul Scherben bringen Glück – das gilt auch in der Ukraine. Bei ihrer ersten Probe für den Eurovision Song Contest hatte Ruslana mit ihrem „Wild Dance“ die gläserne Bühne der Abdi- Ipekci-Arena in Istanbul zertrümmert; im Finale siegte sie mit ihrem energischen Tanz auf der hastig erneuerten Glasfläche souverän. „Just maybe I’m crazy“ sang die mit Lendenschurz und Lederfetzen bekleidete Ukrainerin und stampfte mit einer Truppe von Peitschen schwingenden Tänzern über die Bühne. Verrückt oder nicht – die Nummer überzeugte Millionen von Zuschauern in ganz Europa und verhalf dem Land zu ihrem ersten Eurovisions-Sieg.

Glück alleine war es nicht, das Ruslana zu ihren 280 Punkten verhalf. Die Ukrainerin arbeitet seit Monaten unbeirrt an ihrem Sieg, den sie vor allem ihrer PR-Kampagne zu verdanken haben dürfte. So verschwendete Ruslana gar nicht erst Zeit und Energie darauf, ihren Song im eigenen Land populär zu machen, dessen Publikum bei der Eurovision ohnehin nicht für sie stimmen durfte. Statt dessen tingelte sie durch mehr als ein Dutzend europäische Länder, um ihr Lied bekannt zu machen – und zwar gezielt durch die kleineren Staaten, die mit weniger Bevölkerung ebenso viele Stimmen haben wie die großen Länder. Wochenlang habe sie fast überhaupt nicht geschlafen, sagte die Sängerin über ihre Ochsentour durch die jeweils größten Nachtclubs der kleinsten Staaten in Europa. Auch in Istanbul ruhte Ruslana nicht, bis sie gewonnen hatte. Vom ersten Probentag an war ihr PR-Team ständig im Einsatz: Halstücher und Taschen mit Ruslana-Schriftzug, Ruslana-Notizblocks und ukrainische Fahnen wurden verteilt. Ruslana selbst erschien oft und gerne bei den 1500 akkreditierten Journalisten, gab Live-Ständchen im Pressezelt und ließ die Pressevertreter sogar mit Wodka zu bewirten.

Peinlich genau achtete die Sängerin darauf, keine Werbe-Gelegenheit ungenutzt zu lassen. Auf die Frage, welche Konkurrenten sie für stark halte, zählte sie einfach alle 35 Mitbewerber auf. Für die Scherben bei der Probe entschuldigte sie sich – und nutzte die Panne für noch mehr Werbung. Sorgen bereite ihr auch ihr Kostüm, gestand sie der Presse: Das feine Leder könne jederteit reißen.

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