Welt : Der Winter wird mild, da sind sich die Meteorologen ausnahmsweise einig

Andreas Oswald

Eigentlich ein Traumwetter. Strahlende Sonne scheint vom Himmel, das Laub hängt noch an den Bäumen, zum Teil noch immer grün, die Luft ist trocken und kalt. Die Kälte aber behagt nicht jedem. Sie bekommen zum Beispiel Nachtschwärmer zu spüren, die nach fiebrigen Tangonächten ihr Auto suchen. Nachts sinken die Temperaturen unter den Gefrierpunkt. Es ist derzeit deutlich zu kalt für diese Jahreszeit. Das merken auch Leute, die tagsüber im Büro sitzen und gerne das Fenster öffnen möchten, um die schöne, trockene, frische Luft hineinzulassen. Nach spätestens zwei Minuten protestieren sensible und sympathische Kolleginnen und Kollegen, denen eisige Kälte um die Füße zieht.

Wenn das derzeit kalte und sonnige Wetter noch ein wenig anhält - und im Moment sieht alles danach aus - dann wird der Winter voraussichtlich relativ warm werden. Das sagt der Meteorologe Donald Bäcker, Spezialist für Langfristprognosen bei Meteofax. Die Erfahrung der Vergangenheit zeigt, dass auf relativ warme Sommermonate relativ warme Winter folgen. Die Vergangenheit zeigt auch, dass wenn es bereits zu Beginn der kalten Jahreszeit eisig wird, der Winter sich bereits früh verausgabt hat und vergleichsweise milde Monate folgen.

Was die Langfristprognose für den Winter angeht, sind sich die Meteorologen einig - was nicht häufig vorkommt. Auch die Wetterkunder der Freien Universität Berlin, die mit ihren ganz eigenen Analysemethoden arbeiten, kommen zu dem Schluss, dass der Winter milde wird. Der Dezember soll etwas zu warm, der Januar mit zwei Grad über dem Durchschnitt deutlich zu warm, und der Februar ein wenig zu kühl werden.

Der meteorologische Winter dauert von Dezember bis Februar. Nach Berechnungen von Meteofax wird der Winter mit knapp 2 Grad über dem Durchschnitt deutlich zu warm sein. Denoch rechnet Bäcker mit einer kurzen, heftigen Kältephase zwischendurch, die auch Schnee bringen wird. Dieser werde aber nicht lange liegen bleiben.

Eher keine weiße Weihnacht

Entsprechend der Langfristprognosen ist es auch relativ unwahrscheinlich, dass die Berliner weiße Weihnachten erleben werden. Entscheidend für den Winter ist, ob die überwiegende Wetterlage von einem stabilen Tief über Island, oder einem Hoch über Russland oder Skandinavien bestimmt wird. Derzeit haben wir ein Hoch über Skandinavien. Es beschert uns Sonne und führt kalte und trockene Luft aus dem Polargebiet zu uns. Bei einem Islandtief liegen wir auf dessen warmer Vorderseite: warme und feuchte Luft aus dem Süden wird zu uns nach Deutschland geführt.

Wärmeres Wetter bedeutet nicht unbedingt schöneres Wetter. Es ist bewölkt, trübe, es nieselt. Da zieht mancher die trockene Kälte vor.

Die Meteorologen der FU wie auch von Meteofax gehen davon aus, dass die meiste Zeit im Winter das Islandtief vorherrschend sein wird.

Wetterkundler weisen immer darauf hin, dass langfristige Prognosen sehr riskant sind. Nach den vorhandenen wissenschaftlichen Methoden läßt sich das Wetter allenfalls fünf Tage im voraus prognostizieren. Und selbst dabei kommt es oft zu Irrtümern, gerade im sogenannten Westwindgürtel, in dem wir liegen. Innerhalb dieses Westwindgürtels rund um die Nordhalbkugel ist das Wetter überwiegend instabil, gerade im Herbst und im Winter. Das macht es den Meteorologen schwer.

Die Methoden bei den Langfristprognosen sind ganz andere als bei den Kurzfristvorhersagen. Die FU stellt komplizierte Berechnungen an, bei denen die Luftdruckverhältnisse auf der Nordhalbkugel analysiert werden. Andere Meteorologen, darunter die von Meteofax, gehen von Erfahrungswerten der Vergangenheit aus und schließen vom Sommerwetter aufs Winterwetter.

Beide Methoden gehen oft schief. Allerdings waren die Langfristprognosen für den vergangenen schönen Sommer richtig gewesen. Auch damals waren sich die Wetterkundler der FU und von Meteofax trotz verschiedener Methoden einig. Vielleicht haben sie auch diesmal beide recht. Wer einen milden Winter herbeisehnt, darf sich freuen, wer aber trübes Wetter hasst und trockene Kälte bevorzugt, der sollte schon einmal einen Flug buchen. In New York wird es im Winter schön eisig.

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