Welt : Der Zar ist nah

Russland begrüßt die letzte Zarenmutter

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Hans Christian Andersen soll am Hafen gestanden und geweint haben, als seine Prinzessin am 26. September 1866 das weiße Schiff Richtung Russland bestieg: Dagmar von Dänemark, die Zar Alexander III. heiratete und als Marija Fjodorowna zum russisch-orthodoxen Glauben übertrat. Tränen in den Augen hatten auch viele in der Menge, die heute in Kronstadt, dem Kriegshafen von St. Petersburg, das weiße Flaggschiff der Königlich-dänischen Marine begrüßten. An Bord: die sterblichen Überreste der Zarin. Heimkehr nach Russland und ein Grab an der Seite ihres Gemahls hatte sie sich gewünscht, als sie 1928, von der Revolution zurück nach Dänemark vertrieben, starb.

Die Küstenbatterien feuerten die laut Zeremoniell höchsten und allerhöchsten Personen vorbehaltenen 21 Salven ab, als der Kreuzer festmachte. Ein Militärorchester intonierte neben der dänischen und der russischen auch die alte Zaren-Hymne. Auf einer Lafette wurde der Sarg, bedeckt mit dem Hausbanner der Romanows, in die Alexander-Newskij-Kathedrale in Peterhof überführt.

Russland hat bis Donnerstagmorgen Zeit, dort seiner mit Abstand beliebtesten Zarin die letzte Ehre zu erweisen. Von den vielen Ausländerinnen, die in den Romanow-Clan einheirateten, sei Marija Fjodorowna die einzige gewesen, die Russland mehr als ihre eigentliche Heimat geliebt hätte. Anders als ihr Gatte war Dagmar auch volksnah und karitativ sehr engagiert. Donnerstag früh wird der Sarkophag feierlich in die Isaaks-Kathedrale, der Hauptkirche von St. Petersburg überführt. Dort findet mit großem Gepränge der offizielle Beisetzungs-Gottesdienst statt. In Anwesenheit des dänischen Thronfolgers und seiner Gattin. Erwartet werden auch Präsident Putin, der Patriarch der Russisch-Orthodoxen Kirche, sowie zahlreiche Königshäuser Europas. Darunter auch die Romanows. Im allerengsten Kreis dagegen findet die eigentliche Beisetzung statt. In der Zarengruft der Peter-Pauls-Kirche. Direkt neben Alexander III.

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