Designer Marc Jacobs : Bestechung, Spott und ein flotter Dreier

Der New Yorker Designer Marc Jacobs hat die Staatsanwaltschaft im Nacken - das gehört für ihn dazu.

Rita Neubauer[San Francisco]

Geliebt, gehasst, beneidet. Marc Jacobs ist immer wieder für einen Skandal gut. Schadenfreude trieft derzeit aus den Online-Gazetten und der Boulevardpresse. Marc Jacobs, der brillante Chefdesigner bei Luis Vuitton, ist Opfer der Häme.

Nicht weil er mal wieder eine Kollektion hinlegte, die die Modewelt Kopf stehen lässt. Oder weil ihm eine „menage a trois“ mit seinem Lover und einem Pornostar nachgesagt wird. Nein, Jacobs ist in einen Bestechungsskandal verwickelt, eine typisch New Yorker Schmierenkomödie. Der Protagonist: ein städtischer Beschäftigter. Der Tatort: die 26th Street Armory, ein ehemaliges Zeughaus auf der East Side von Manhattan. Das Handgeld: rund 40 000 Dollar.

Jacobs, so betont sein Anwalt, habe selbst kein Schmiergeld offeriert, sondern über seine PR-Agentur KCD nur bezahlt, was James Jackson, der städtische Verwalter des historischen Zeughauses, verlangte. Dazu muss man wissen, dass die Armory, die der New Yorker Nationalgarde gehört, seit Jahren von Jacobs für seine Modeschauen angemietet wird. So auch beim Schlussakt der New Yorker Fashion Week – mit Victoria Beckham Champagner nippend in der ersten Reihe. Die Armory ist eine begehrte Location, die sich Jacobs exklusiv sichert für die Fashion Show. Auch umging er den lästigen Papierkram. Gegen ein Handgeld, wie sich nun herausstellt. Denn für einen Tag wären gerade 6000 Dollar Miete fällig gewesen. Über acht Jahre soll Jackson jedoch den Designer für zusätzliche 40 000 Dollar gemolken haben. In Form von Computern, Fitnessgeräten und anderen Dingen. Jackson ist nun in 31 Fällen der Bestechlichkeit angeklagt. Angeblich gehört Schmiergeld in New York dazu, wenn jemand dort Geschäfte machen will. „Es ist nicht gänzlich ungewöhnlich“, notierte ein PR-Mann gegenüber „WWD“ („Women’s Wear Daily“), „dass mit ein paar Dollar ein paar Leute glücklich gemacht werden.“

Marc Jacobs gilt als „bad boy“ unter den Designern Amerikas. Ein Ruf, den der talentierte Schneider gerne pflegt. Sei es, dass er mit notorischer Verspätung seine oft aggressiv lauten Shows eröffnet und seine Fans bis zu zwei Stunden warten lässt (dieses Mal war er fast pünktlich). Sei es, dass er mit seinen Einfällen als „Freak“ verschrieen ist.

Schlagzeilen produziert aber auch das Privatleben des Kreativdirektors. Jacobs, der nie ein Geheimnis aus seinem Schwulsein machte, hat eine bewegte Liaison mit Jason Preston, einem früheren Escort mit Schlafzimmerblick. „Page Six“ nun, das Lästermaul der „New York Post“, schrieb ihm kürzlich zudem eine „menage a trois“ zu, ausgerechnet mit einem Pornostar. Er soll Erik Rhodes, dessen muskulöses Hinterteil auf seinem gleichnamigen Blog zu bewundern ist, sogar heimlich zur Modewoche nach Paris geflogen haben. Rhodes bestreitet eine innige Verbindung. Freunde seien sie, nicht mehr und nicht weniger. Das Motiv für „Page Six“ soll angeblich Rache sein, dafür, dass Jacobs zuerst „WWD“ informierte, als er sich im vergangenen April einer Entziehungskur für Drogen und Alkohol unterzog.

Jacobs, der Applaus wie andere Sonnenschein braucht, mag all dies wenig kümmern. Sind doch Schlagzeilen Butter aufs Brot im hartkantigen Modegeschäft. „Man erwartet eine Show von mir“, sagt er. Auf dem Laufsteg wie im Privatleben.

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