Welt : Deutsche Urlauber spenden spontan

Kunden meldeten sich bei Reiseveranstaltern – derzeit halten sich keine Touristen im Land auf

Hella Kaiser

Wer das Land einmal bereist hat, den lässt es offenbar nicht mehr los. Einige Deutsche, die oft in Birma Urlaub machen, haben sich spontan bei ihren Reiseveranstaltern gemeldet, um für die Opfer der Katastrophe zu spenden. „Viele Kunden melden sich jetzt bei uns“, sagt Stefan Kraft, Geschäftsführer des Berliner Südostasien-Veranstalters Geoplan, wo seit 15 Jahren Touren in Birma ausgetüftelt werden. „Die Leute wollen was tun, gestern hatte ich eine Ärztin am Telefon, die ihre Hilfe angeboten hat“, sagt Kraft. Binnen weniger Tage sei eine Summe von 13 000 Dollar zusammengekommen. Nun soll das Geld sofort nach Birma fließen, um eine Klinik aufzubauen. „Wir haben ein Büro mit einheimischen Mitarbeitern in Rangun“, sagt Stefan Kraft. Man könne sicher sein, dass vor Ort nichts veruntreut würde. „Das sind alles Buddhisten, die stopfen nichts in die eigene Tasche“, sagt er. Auch bei Studiosus denkt man über akute Hilfe für das bitterarme Land nach. Zwar unterstütze man im Rahmen der Studiosus Foundation e.V. bereits seit 2005 die Klosterschule Phan Daw Oo, deren Einrichtung von 6500 Schülern aus besonders armen Familien besucht wird. „Doch“, sagt Frano Ilic von Studiosus, „aktuell kommt sicher was dazu“. Bei Gebeco und Dr. Tigges hofft man, Birma ab September wieder ins Programm nehmen zu können. Wenn man das Land als Reiseziel bewerbe, helfe man ihm auch, heißt es bei Tui.

Anders als beim Tsunami Ende 2004, als Thailand Hochsaison hatte, hält sich jetzt im Mai kaum ein Urlauber in Birma auf. Um diese Jahreszeit ist es zu heiß für Besichtigungen, und, wie Antje Günther, Sprecherin von Meyer’s Weltreisen betont: „Birma ist bei uns ausschließlich ein Reiseziel für Kulturinteressierte.“ Die reisen nicht in dieser heißen Jahreszeit. Frano Ilic von Studiosus sagt: „Gebucht werden Birmareisen bei uns vorwiegend ab Oktober“. Derzeit halten sich keine Studiosus-Gäste im Land auf, auch andere Veranstalter müssen niemanden ausfliegen. Rund 200 000 Touristen, so schätzen Experten, besuchen das südostasiatische Land jährlich, darunter etwa 10 000 bis 15 000 Deutsche.

Bei Meyer’s Weltreisen liegt der Birmaanteil am Asiengeschäft „im einstelligen Prozentbereich“, sagt Günther. Der Zyklon hat große Teile Birmas verwüstet, aber nicht das ganze Land zerstört. Betroffen ist vor allem das Irrawaddy-Delta. Andere große Teile des riesigen Landes sind nicht oder wenig betroffen. So hat die Naturkatastrophe wohl keine nachhaltigen Auswirkungen auf die touristische Infrastruktur gehabt. Zwar ist die Region des Goldenen Felsens von Kyaikhtiyo – ein beliebtes Pilger- und Touristenziel im Süden des Landes – stark zerstört worden. Doch die bedeutendsten Reiseziele wie Bagan mit seinem historischen Pagodenfeld, Mandalay als landesweit zweitgrößte Stadt und spirituelles Herz oder der Inle-See als amphibische Märchenlandschaft sind nicht vom Wirbelsturm betroffen – und können ohne Behinderungen bereist werden, wenn die nächste Saison im Herbst beginnt.

Auch der im Westen liegende Ngapali-Beach mit seinen zahlreichen neuen Strandresorts soll den Wirbelsturm unbeschadet überstanden haben, heißt es.

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