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Deutscher Beitrag beim ESC : Levina darf auf Mittelfeldplatz hoffen - mehr aber wohl nicht

So schlecht wie 2015 und 2016 wird es wohl am Samstag beim ESC nicht werden. Aber ein Sieg der deutschen Sängerin Levina ist kaum zu erwarten.

Levina sang am Donnerstag bei einem Empfang in der Deutschen Botschaft in Kiew.
Levina sang am Donnerstag bei einem Empfang in der Deutschen Botschaft in Kiew.Foto: dpa

Die deutsche Hoffnung beim diesjährigen Songwettbewerb ESC, Levina, hat mit ihrem Lied „Perfect Life“ einen vielversprechenden Startplatz. Dennoch sehen die Buchmacher den italienischen Sänger Francesco Gabbani („Occidentali's Karma“) als haushohen Favoriten. Levina wird an diesem Samstag in Kiew auf dem 21. Platz unter den 26 Startern antreten.

Nicht nur, dass vor einem Jahr die Ukrainerin Jamala mit dem Song „1944“ auf diesem Platz den Sieg errang. Levina tritt zeitlich auch recht nahe an der Publikums-Abstimmung auf. Sie folgt übrigens auf den eher bizarren rumänischen Jodelsong von Ilinca und Alex Florea („Yodel It!“).

Trotz der günstigen Rahmenbedingungen räumen Buchmacher Levina zwar Chancen auf das hintere Mittelfeld ein, sehen sie aber weit vom Sieg beim Eurovision Song Contest entfernt. „Mit einer Quote von 2,30 steht der Vertreter Italiens auch nach den starken Performances von Belgien und Schweden im ersten Halbfinale und von Rumänien und den Niederlanden im zweiten Halbfinale unangefochten auf Platz eins“, teilte der Wettanbieter bwin am Freitag mit. „Mit einer Quote von 101,00 für den Sieg findet sich Deutschland auf Platz 18 im hinteren Mittelfeld und muss sich hinter Länder wie Australien, Frankreich oder Moldawien einreihen.“ Auch das Portal oddschecker.com sieht Italien mit weitem Abstand vorne und verortet Deutschland im hinteren Mittelfeld der 26 Finalisten - immerhin besser als der letzte Platz von 2015 und 2016. In einer Prognose des Internetkonzerns Google auf Grundlage der weltweiten Suchanfragen schafft es die 26-jährige Deutsche sogar auf den elften Platz.

Immerhin werden Levina damit in der Ukraine weit mehr Chancen auf eine gute Platzierung zugerechnet als Jamie-Lee im vergangenen Jahr und Ann Sophie vor zwei Jahren. Die beiden deutschen Sängerinnen lagen vor dem Finale in allen Prognosen weit hinten und landeten tatsächlich am Ende jeweils auf dem letzten Platz.

Levina lebt in Berlin und London

Wer sich Levinas Biografie anschaut, bekommt den Eindruck, dass da jemand seit Jahren Anlauf für den Sprung auf die große Bühne genommen hat. Levina, wie sie alle nennen, sang als Kind in Musicals („Jeder Baum ist ein Stück dieser Erde“), gewann „Jugend musiziert“, studierte in London Gesang. Beim Vorentscheid machte ihre Konkurrenz nicht einen Stich. Die 25-Jährige war einfach die logische Wahl der Deutschen, die beim ESC zuletzt mit zwei letzten Plätzen Schiffbruch erlitten hatten.

Geboren wurde Levina im rheinischen Bonn, aufgewachsen ist sie im sächsischen Chemnitz. Der Umzug hing mit der Arbeit der Eltern zusammen, die selbst zwar keine professionellen Musiker sind, allerdings Instrumente spielen und mit der Szene keinesfalls fremdeln. Ihr Papa - in der IT-Branche tätig - kenne sich bestens aus, sagte Levina kürzlich in einem Interview der „Berliner Zeitung“. „Der weiß immer genau, wer jetzt gerade wo welchen Plattenvertrag gekriegt hat.“ Ihre Eltern waren es auch, die ihr zum Bühnen-Namen Levina verhalfen. Er steht schon von Geburt an in ihrem Pass - inspiriert von einem Kindermädchen, das mit Nachnamen Levin hieß.

Zuletzt pendelte die Sänger oft zwischen zwei Wohnorten: Berlin und London, wo sie Musikmanagement studiert. Nach England war sie über einen Auslandsaufenthalt während der Schule gekommen, später studierte sie dort Gesang und Komposition. „Eigentlich wollte ich da auch gar nicht so lange bleiben“, sagt Levina. „Aber dann war ich dort und habe Bands gegründet. Wir sind viel aufgetreten und ich bin einfach dort geblieben.“

Bisher trat die 25-Jährige in Bars auf

Ihr Publikum bestand daher bis vor einigen Monaten vor allem aus den Gästen der Bars, in denen sie auftrat. Als sie beim deutschen ESC-Casting auftauchte, strahlte sie dennoch eine große Selbstverständlichkeit aus. Eine Freundin aus Chemnitz hatte ihr den Bewerbungs-Link geschickt. „Es gibt sicherlich Casting-Shows, bei denen ich mich nie angemeldet hätte. Aber diese hier war anders“, sagt Levina. „Das Format kommt ja irgendwie auch von Stefan Raab, der es schon bei Lena absolut richtig gemacht hat.“

Das Unfertige und auch Unbekümmerte der ESC-Siegerin Lena kann man an Levina nicht unbedingt beobachten. Vielleicht liegt darin die größte Gefahr des ganzen Unterfangens. Im ESC-Vorentscheid formulierte Juror Florian Silbereisen treffend, Deutschland mache mit Levina „definitiv nichts falsch“. Aber kann daraus auch der kleine Hype entstehen, den man für die guten Plätze beim ESC braucht? Levina hat sich jedenfalls festgelegt. Als Zielmarke nennt sie das obere Drittel. Und auf ihren rechten Unterarm hat sie schon vor einiger Zeit „Plan A“ tätowieren lassen. Das ist die Musik. (AFP/dpa)

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