Welt : Deutschland im Schneegestöber

Lange Staus und schwere Unfälle / Lastwagen kippt bei Blitzeis von einer Brücke

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Berlin - Schneefälle haben am Mittwoch weite Teile Deutschlands in eine weiße Winterlandschaft verwandelt. Die Meteorologen erwarten für das Wochenende, vor allem aber für die nächste Woche deutlich bessere Wintersportbedingungen.

Für viele Autofahrer erschwerten die Schneefälle am Mittwoch die Fahrt zur Arbeit. Es kam zu langen Staus und zahlreichen Unfällen, bei denen ein Jugendlicher getötet und mehrere Menschen verletzt wurden. Meist blieb es jedoch bei Blechschäden. Besonders betroffen waren der Berufsverkehr in Hamburg und Schleswig-Holstein sowie die Straßen in den Mittelgebirgen Thüringens, Hessens und in Rheinland-Pfalz.

Ein spektakulärer Unfall ereignete sich auf der A 20 bei Pasewalk in Mecklenburg-Vorpommern. Ein Lastwagen stürzte von einer Autobahnbrücke zehn Meter in die Tiefe auf eine IC-Bahnstrecke. Ursache war vermutlich Blitzeis. Zum Zeitpunkt des Unfalls hatten die Schneefälle noch nicht begonnen. Nach ersten Erkenntnissen der Polizei war ein Kleintransporter auf der vermutlich eisglatten Überholspur ins Schleudern gekommen und gegen den Lastwagen geprallt, der daraufhin das Brückengeländer durchbrach.

Wie durch ein Wunder sei der 41 Jahre alte Lastwagenfahrer aus Bulgarien bei dem Sturz nur leicht verletzt worden. Völlig zerstört lag der Lastwagen auf den Schienen (Foto rechts, Mitte).

In der Nähe von Aurich in Ostfriesland kam ein 17-Jähriger auf dem Weg zur Schule ums Leben. Ein Traktorfahrer hatte den Radfahrer bei Schneetreiben und Dunkelheit übersehen, als er in eine Hofeinfahrt abbiegen wollte, wie die Polizei mitteilte. In Ahrensburg bei Hamburg schleuderte ein 22-Jähriger mit seinem Auto in einen Streifenwagen, der gerade wegen der Aufnahme eines anderen Unfalls am Straßenrand stand. Der 29 Jahre alte Beifahrer des jungen Mannes verletzte sich schwer.

Auf der Autobahn 3 Köln–Frankfurt kam der Verkehr fast zum Erliegen. Es gab einen zeitweise bis zu 40 Kilometer langen Stau, wie die Autobahnpolizei in Wiesbaden mitteilte. Bei Kradenbach in der Eifel rutschte ein Schulbus mit 44 Kindern in den Graben. Erst nach einer halben Stunde konnte die zunächst blockierte Tür geöffnet werden. Die Schüler – sie blieben alle unverletzt – wurden mit einem Ersatzbus nach Hause gebracht und bekamen schulfrei. Weniger Unterrichtsausfall mussten 25 Kinder in einem liegen gebliebenen Schulbus auf dem Weg nach Siegen (Nordrhein-Westfalen) hinnehmen. Ein Ersatzbus brachte sie zur Schule.

In den Wintersportgebieten sorgte der Neuschnee für viel Freude. Im Sauerland waren die Lifte in Betrieb, auf den Hängen im Erzgebirge und im Vogtland tummelten sich Wintersportler im Sonnenschein. Im Harz hofften die Tourismus orte auf weiteren Schnee. Nach Angaben des Wetterdienstes Meteomedia bleibt es in den nächsten Tagen in den Niederungen ungemütlich, die Schneefallgrenze steigt allmählich auf 500 bis 700 Meter.

Hintergrund ist eine Westwind-Wetterlage. Gestern bildete sich bei Island das Sturmtief „Rosel“. Es bringe angewärmte feuchte Meeresluft nach Deutschland, sagte der Meteorologe Karl Heinz Oberthier von Q.met.

Die teils starken Schneefälle ziehen sich in den nächsten Tagen ins Bergland zurück. Unterhalb von etwa 600 Metern fällt der Niederschlag dann als Regen, wie der Deutsche Wetterdienst am Mittwoch mitteilte. In den Mittelgebirgen oberhalb von etwa 500 bis 700 Metern hingegen kann die Schneedecke gebietsweise noch anwachsen. Am Wochenende dürfte es dort schon verbreitet gute Wintersportbedingungen geben, wie Meteorologe Andreas Friedrich sagte. In der nächsten Woche wird die Schneefallgrenze der Prognose zufolge teils wieder unter 500 Meter fallen. Am Donnerstag setzt sich im Südosten und Osten zeitweise die Sonne gegen die Wolken durch. Ab dem Nachmittag greift ein Regengebiet auf den Westen und Nordwesten über. Die Schneefallgrenze steigt auf über 500 Meter an. Die Höchsttemperatur liegt zwischen einem Grad in Ostbayern und sechs Grad am Oberrhein. In höheren Lagen weht teilweise starker südlicher Wind. Nachts muss gen Südosten mit Glatteis gerechnet werden. Die Luft kühlt auf vier bis null Grad ab. Am Freitag fällt aus der meist dichten Wolkendecke schauerartiger Regen, im Bergland ab etwa 600 Metern Schnee. Die Temperatur steigt auf drei Grad im Nordosten und in Südostbayern sowie bis sieben Grad in den Flusstälern im Westen und Südwesten. Wolken und Regen bleiben Deutschland auch zu Beginn des Wochenendes erhalten. In höheren Lagen oberhalb von etwa 500 bis 600 Metern schneit es, im Bergland sind Sturmböen möglich. Die Höchstwerte erreichen drei Grad am Alpenrand und acht Grad am Oberrhein. Der Wind weht meist mäßig aus Südwest, im Bergland sind Sturmböen möglich. os/dpa/ddp

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