Welt : Deutschland im Winterchaos

FRANKFURT (MAIN) (AP/rtr).Der Winter hat Deutschland fest im Griff.Starker Schneefall hat am Donnerstag vor allem in Hessen und Bayern den Verkehr zusammenbrechen lassen.Es kam zu kilometerlangen Staus und zahlreichen Unfälle auf den Autobahnen, Fahrzeuge blieben liegen oder standen quer.

An den Flughäfen Frankfurt (Main), München und Stuttgart fielen mehrere hundert Flüge aus.Es gab Verspätungen von im Schnitt einer Stunde, teils auch bis zu zwei Stunden.Allein die Lufthansa strich in Frankfurt mehr als 100 Starts und Landungen.Betroffen waren bei ihr alle innerdeutschen und innereuropäischen Flüge mit Ziel Frankfurt.Der Flughafen Stuttgart wurde zeitweise geschlossen.Auch der Flughafen München wurde von dem Schneechaos stark behindert.

In Berlin waren viele Passagiere betroffen, weil Flüge zu anderen innerdeutschen Flughäfen gestrichen wurden.In Tegel wurden 27 Starts und 26 Landungen gestrichen, in Tempelhof waren es je 2.Die Lufthansa riet allen Berliner Passagieren, die am Donnerstag nach Frankfurt oder Stuttgart wollten, auf die Bahn auszuweichen.Passagiere, für die die Flughäfen Köln/Bonn oder Düsseldorf als Ausweichflughäfen in Frage kämen, konnten umgebucht werden.

Mit Sommerreifen unterwegs

Auf den Autobahnen in ganz Hessen herrschte nach Angaben des Polizeiverkehrsamtes Wiesbaden Chaos.Zahlreiche Unfälle wurden registiert, die meist glimpflich verliefen.Es gab einige Leichtverletzte.Der Großteil der Karambolagen passierte in Südhessen.

Auf der A3 Richtung Köln kollidierte gegen 4.45 Uhr bei Niedernhausen ein US-Lastwagen beim Wiedereinscheren nach dem Überholen mit einem weiteren Laster.Ein Fahrer wurde schwer verletzt, die Autobahn war bis kurz nach 7 Uhr voll gesperrt.Es bildete sich ein Stau von 15 Kilometern Länge, der sich erst am Nachmittag langsam auflöste.

Im Rhein-Main-Gebiet rund um Frankfurt und Wiesbaden herrschte nach Angaben von Verkehrsamts-Sprecherin Christiane Körber stundenlang Stop-and-Go-Verkehr.Auch in Rheinland-Pfalz kamen auf den Autobahnen 6 Mannheim-Saarbrücken und 61 Ludwigshafen-Koblenz die Räumfahrzeuge zunächst nicht mehr durch den dicken Schnee.

Mehrere Unfälle brachten den Verkehr zeitweise völlig zum Erliegen.Erst ab 14 Uhr habe sich die Lage entspannt, berichtete Körber.Viele Verkehrsbehinderungen wurden durch weggerutschte Autos verursacht, die noch mit Sommerreifen unterwegs waren.

Im bayerischen Wolfratshausen kam kurz nach 7 Uhr ein Autofahrer auf glatter Fahrbahn mit zu hoher Geschwindigkeit ins Schleudern und prallte gegen einen entgegenkommenden Linienbus.Der Mann starb an der Unfallstelle, zwei weitere Insassen wurden schwer verletzt.Die zwölf Fahrgäste im Bus blieben unverletzt.

Bei der Bahn lief der Betrieb nach Auskunft eines Sprechers weitgehend normal.Es habe vereinzelt Verspätungen zwischen 15 und 40 Minuten gegeben.Wegen der Wetterlage in Süddeutschland registrierte die Bahn eine deutlich höhere Belegung der Züge nach Hamburg.

Nach Angaben der Meteorologen sollte es in weiten Teilen Deutschlands auch in der Nacht zum Freitag weiter schneien, allerdings nicht mehr so stark.Im Rheinland regne es, im Osten Deutschlands scheine die Sonne.Am Wochenende soll es im Norden milder werden und regnen.Die Temperaturen steigen im Norden auf fünf bis zehn, im Süden und Osten auf null bis fünf Grad an.

Auf die Frage nach einer weißen Weihnacht heißt es bei den Meteorologen, Aussagen dazu seien zum jetzigen Zeitpunkt nichts als Spekulation.So weit im voraus könne das Wetter nicht vorhergesagt werden.

STICHWORT

Jede Schneeflocke ist einzigartig

Als Schnee bezeichnet man festen Niederschlag aus meist verzweigten kleinen Eiskristallen.Diese fallen als Schnee zu Boden, wenn Fallgeschwindigkeit, Temperatur und Feuchte unterhalb der Wolke ein Schmelzen oder Verdampfen verhindern.Je tiefer die Temperatur unter null Grad Celsius in der Wolke ist, desto mehr Wassertröpfchen wandeln sich in Eis- und Schneeteilchen um, die zur Erde schweben.Dabei entstehen sehr verschiedene Formen von Schneekristallen.

Jede Schneeflocke ist einzigartig, keines der sechsstrahligen Gebilde gleicht dem anderen.Grund für die unendlichen Variationen sind nach Angaben von Wissenschaftlern atmosphärische Einflüsse.Ein Meteorologe bezeichnete die Wahrscheinlichkeit, daß zwei Schneeflocken genau gleich sind, als ebenso klein wie die Chance, daß im Herbst zwei absolut gleiche Blätter von den Bäumen auf den Boden fallen.Nach Angaben eines Schneeforschers ist die Zahl der Varianten so groß, daß es offenbar unmöglich ist, für die Entstehung der Schneeflocken ein vollständiges mathematisches Modell zu erstellen.

Was als filigranes Kunstwerk zur Erde niederschwebt, ist ein Eisgebilde, das sich um ein Staubkorn in der Wolke gebildet hat.An den Kondensationskern lagert sich überschüssige Luftfeuchtigkeit an.Bei Temperaturen zwischen null und minus 40 Grad gruppieren sich immer mehr sechseckige Schneekristalle an den Kern an und bilden die Sterne, die unter dem Mikroskop betrachtet an feinste Spitzenklöpplerarbeiten erinnern.

Je nach den Umweltbedingungen nehmen die Schneekristalle verschiedene Formen an.Sie sind jedoch immer sechseckig, weil sich die Wassermoleküle im Winkel von 120 Grad anordnen.Der Formenreichtum reicht von einem sechsstrahligen Stern über sechseckige Eisplättchen bis zu dreidimensionalen Gebilden, die von den Fachleuten Prismen, Nadeln oder Säulchen genannt werden.Bei tiefen Temperaturen fällt trockener, feinkörniger Pulverschnee, feuchter und großflockiger Schnee wird auch als Pappschnee bezeichnet.Bei kleinen Mengen undurchsichtiger Eiskörnchen von weniger als einem Millimeter Durchmesser spricht man von Schneegriesel.Durch Sonneneinstrahlung und Wiedergefrieren von älterem Schnee kommt es zur Verharschung und allmählich zum Firn.Da Schnee ein schlechter Wärmeleiter ist, schützt er den Boden darunter vor Auskühlung.

In alten Überlieferungen des sogenannten niederen Volksglaubens wird die Herkunft des Schnees meist auf mythologische Gestalten wie Frau Holle oder in der nordischen Mythologie den Snaer zurückgeführt.AP

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