Welt : Deutschland ist Fußball-Weltmeister – beim Robocup

Roboter siegen in Lissabon mit 5:3 gegen Australien. Spätestens 2050 sollen die Automaten gegen Menschen antreten

Kurt Sagatz

Mit einem 5:3-Sieg wurde das deutsche Fußball-Team am Sonnabend in Lissabon Weltmeister, so war es gestern auf diversen Webseiten im Internet nachzulesen. Deutschland? Fußball? Weltmeister? Alles richtig, nur eben nicht beim Rasenfußball, sondern bei der Robocup- Weltmeisterschaft in Portugal. Dort setzte sich das aus vier deutschen Universitäten bestehende Roboter-Fußball- Team (darunter die Humboldt-Universität Berlin) gegen die Mannschaft aus Sidney durch. Sie gewannen die Meisterschaft in der so genannten Four Legged Robot League, einer der populärsten Unterarten dieser „Sportart“, bei der hochgerüstete Roboter-Hunde vom Typ „Aibo“ von Sony gegeneinander antreten. Das war nicht der einzige Berliner Sieg, auch die FU-Figthers gingen in der „Small Size League“ als Weltmeister vom Platz.

Das Faszinierendste an den Robotern ist freilich, dass sie keineswegs ferngesteuert über das Spielfeld laufen. Ausgestattet mit künstlicher Intelligenz treffen sie ihre eigenen Entscheidungen, auch wenn diese mitunter sehr verwirrend aussehen. Denn welcher menschliche Torwart würde schon mit dem Rücken zum Spielfeld in seinem Kasten den nächsten Angriff der gegnerischen Mannschaft abwarten?

Der Robocup 2004 ist bereits die achte Ausgabe dieses längst nicht nur sportlichen Wettkampfs, an dem zumeist universitäre Teams aus der ganzen Welt teilnehmen. Das große, selbst gesteckte Ziel ist, die Entwicklung selbstständig handelnder Roboter bis zum Jahr 2050 so weit voranzubringen, dass bis dahin „ein Team von vollständig autonom handelnden, humanoiden Fußball-Robotern gegen eine Mannschaft der weltbesten menschlichen Fußballer nach den Fifa-Regeln“ gewinnt.

Nicht nur aus Sicht der menschlichen Fußballer vergeht bis dahin noch eine Menge Zeit. Vor allem die Roboterfußballer auf zwei Beinen – bei denen sich übrigens in diesem Jahr das Team aus Japan gegen Singapur durchsetzte – werden noch den einen oder anderen Trainerwechsel erleben, bis sie gegen die Ballkünste beispielsweise eines Figo bestehen können. Dribbeln ist bei ihnen längst noch nicht die wichtigste Disziplin; ihre Entwickler freuen sich erst einmal darüber, dass ihre zwischen 28 und 180 Zentimeter großen Athleten überhaupt das Gehen auf zwei Beinen erlernt haben und inzwischen in der Lage sind, Hindernissen auszuweichen, Flanken zu kicken und am Ende gezielt auf das gegnerische Tor zu schießen.

Die Homepage zur Meisterschaft

www.robocup.org

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