Diana : Pionierin der Herzen

Prinzessin Diana engagierte sich gegen Landminen – eine Stiftung setzt ihre Arbeit fort.

Markus Hesselmann
Diana
Ein Bild das bleibt: Diana auf einem von Minen geräumten Weg in Angola. -Foto: dpa

LondonEs ist ein Bild, das bleibt von Prinzessin Diana. Neben all den Glamour-Fotos von Mario Testino oder Lord Snowden und den Paparazzi-Schüssen, auf denen sie zum Beispiel im Badeurlaub mit dem Milliardärssohn Dodi al Fayed zu sehen ist. Auf diesem Bild aber trägt sie weder Badeanzug noch Designerkleid: In einer einfachen Stoffhose, in Wildlederslippern und mit aufkrempelten Hemdsärmeln stapft sie durch die Landschaft. Ihre Schutzkleidung und die Totenkopfschilder am Wegesrand signalisieren Gefahr. Sie blickt nachdenklich drein. Das Foto ist in Angola aufgenommen, einem Land, das von einem jahrzehntelangen Bürgerkrieg verwüstet worden war. Anfang 1997 ist die Prinzessin dort hingereist, um die Kampagne gegen Landminen zu unterstützen. Der Kampf gegen diese Waffen, die den Menschen noch Jahre nach dem Ende eines Krieges Leid zufügen, war ihr wichtig. Sie nutzte ihre Prominenz und Popularität gern, um humanitäre Organisationen zu unterstützen: Für die Opfer von Landminen, für Blinde, für Aidskranke. Als Erbe der Prinzessin wirkt dieses Engagement fort – zehn Jahre nach ihrem Tod am 31. August 1997 bei einem Autounfall in Paris.

Der Tod der „Königin der Herzen“ löste damals weltumspannende Trauer aus. „Ich war in Simbabwe zu der Zeit. Die Schlangen an den Orten, an denen man seine Trauer zum Ausdruck bringen konnte, waren unglaublich lang“, sagt Astrid Bonfield, seit 2005 Chefin des Diana, Princess of Wales Memorial Funds, der die humanitäre Hilfe als Erbe der Prinzessin koordiniert. Bonfield hatte bereits für andere Wohltätigkeitsorganisationen gearbeitet, bevor sie zum Diana-Fonds kam. Ihr Engagement dort empfand sie als „Schritt nach vorn“. Fortan arbeitete sie im Namen einer Ikone für das Gute in der Welt.

Die Prominenz der verstorbenen Prinzessin hilft den Kampagnen, die der Diana-Fonds unterstützt. Zum Beispiel die Cluster Munition Coalition (CMC). Sie setzt sich für ein weltweites Verbot von Streubomben ein. Diese Waffen verteilen ihre tödliche Munition im Form kleinerer Bomben. Viele davon explodieren nicht, bleiben liegen und gefährden die Zivilbevölkerung, zum Beispiel wenn Kinder sie für Spielzeug halten und aufnehmen. „Wenn ich mit Menschen über die Ächtung von Minen und Streubomben rede, dann sagen viele sofort: Das ist doch die Sache, für die sich Prinzessin Diana eingesetzt hat", sagt CMC-Koordinator Thomas Nash.

Die Bilder der Prinzessin bleiben im kollektiven Bewusstsein: Als Diana zum Beispiel in den Achtzigerjahren Aidskranken die Hand hielt, hat dies zum Verständnis der Krankheit beigetragen und die Isolation der Betroffenen verringert. Heute engagieren sich weltweit unzählige Prominente in der Aidshilfe und anderen Organisationen. Für das Verbot von Streubomben setzen sich in Deutschland unter anderem die Moderatoren Günther Jauch und Anne Will sowie der Fußball-Nationalspieler Miroslav Klose ein. „Damals war das neu“, sagt Thomas Nash. „Diana war eine Pionierin."

Das heißt nicht, dass die Arbeit für Leute wie Thomas Nash überall leicht wäre, nur weil der Name der Prinzessin ins Spiel kommt. „Gerade Deutschland ist ein schwieriges Land für uns", sagt Thomas Nash. Die CMC listet Deutschland als eines der Länder auf, die Streubomben sowohl produzieren als auch bereithalten.

Thomas Nash wirft der Bundesregierung vor, zu sehr auf technische Verbesserungen zu setzen, statt konsequent ein Verbot der Streubomben zu verfechten. Ein in diesem Zusammenhang entwickelter Selbstzerstörungsmechanismus, mit dem sich Blindgänger selbst entschärften, funktioniere in der Praxis nicht, sagt Nash. Und dann seien die Blindgänger noch tückischer und noch schwieriger zu entschärfen.

Ein Sprecher des Auswärtigen Amtes sagt dazu, die Bundesregierung bleibe beim Ziel eines vollständigen Verbotes von Streumunition. „So lange Streumunition jedoch noch nicht verboten ist, ist es für die Bundesregierung vorrangig, schon heute die bereits möglichen Maßnahmen zum Schutz der Zivilbevölkerung zu ergreifen.“ Deshalb habe Deutschland den Vorschlag unterbreitet, international sofort verbindlich auf den Einsatz von besonders gefährlicher Streumunition mit hoher Blindgängerquote zu verzichten. „Bereits heute nimmt die Bundeswehr keine Neuanschaffungen mehr vor und verzichtet auf den Einsatz bestimmter Munitionsarten, die über eine für Personen gefährliche Blindgängerrate von über einem Prozent verfügen“, teilt der Sprecher mit. Ziel sei der mittelfristige Verzicht auf Streumunition. In Wien steht im Dezember die nächste internationale Konferenz an, um das Thema voranzubringen. Ein weltweites Verbot scheitert im Augenblick vor allem an Militärmächten wie Russland und den USA. Schwere Gegner für die CMC.

Das Geld, das der Diana-Fonds in diese und andere Kampagnen steckt, stammt aus Spenden und Verkaufserlösen. Gleich nach Dianas Tod kamen umgerechnet rund 30 Millionen Euro Spenden zusammen, vieles davon lag in Umschlägen unter den Bergen von Blumen vor den königlichen Palästen. Die Erlöse des Liedes „Candle in the Wind“, das Elton John bei Dianas Trauerfeier sang, und der Verkauf lizensierter Produkte brachten weitere 120 Millionen Euro.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben