Diana-Prozess : Dodis Vater beschimpft Prinz Philip als Nazi

Bei seinem ersten Zeugenauftritt vor dem Diana-Gericht geht Dodis Vater Mohamed al Fayed mit wüsten Anschuldigungen auf das Königshaus los. Er wirft dem Ehemann von Königin Elizabeth II. vor, ein Rassist zu sein.

Thomas Burmeister[dpa]
Mohamed Al Fayed
Mohammed Al Fayed will endlich Klarheit über die Todesumstände seines Sohnes. -Foto: afp

LondonFür diesen Auftritt hat Mohammed al Fayed "zehn Jahre lang gekämpft". Und er hat Millionen von Pfund für Anwälte und für private Ermittlungen ausgegeben, um seinen Feldzug gegen das britische Königshaus mit ebenso erschreckenden wie altbekannten Mordvorwürfen endlich vor dem ehrwürdigen Royal Court of Justice fortsetzen zu können. Beweise für ein königliches Komplott konnte der Kaufhaus- und Hotelbesitzer aus Ägypten, dessen Sohn Dodi am 31. August 1997 in Paris an der Seite von Prinzessin Diana in einem Autowrack starb, allerdings wieder nicht vorlegen.

Und einen Gefallen dürfte sich der umstrittene 75-jährige Multimillionär mit seinem streckenweise peinlichen Auftritt auch nicht getan haben. In seiner gewaltigen Wut auf die Royals ließ der Ägypter es nicht dabei bewenden, Prinz Philip wie schon seit Jahren als Kopf einer Verschwörung zur "Beseitigung" der Prinzessin Diana und ihres Freundes Dodi zu bezeichnen. Al Fayed ging weiter als sonst und beschimpfte den 86-jährigen Ehemann der Queen als "Nazi" und "Rassisten".

"Prinzessin Diana sagte mir, dass Prinz Philip und Prinz Charles sie loswerden wollten", erklärte Al Fayed. Das Königshaus habe nicht hinnehmen wollen, dass Diana Dodi heiratet und damit ein Muslim zum Stiefvater von Prinz William, dem künftigen König Großbritanniens, werde.

Al Fayed und "Frankenstein"

"Es wird Zeit, dass man ihn nach Deutschland zurückschickt, wo er hergekommen ist", wetterte Al Fayed unter Anspielung auf Philips deutsche Verwandtschaft. Dann setzte er noch eins drauf - und sich selbst damit in den Augen so mancher Beobachter ins Unrecht: "Wollen sie seinen wirklichen Namen wissen - der hört mit Frankenstein auf."

Die Königsfamilie als eine Bande von Ungeheuern darzustellen, an der eine zarte und völlig unbescholtene Diana nur zerbrechen konnte, ist für Al Fayed längst zum scheinbar einzigen Lebenszweck geworden. Angesichts des Diana-Feldzugs, den er tagtäglich mit Hilfe der von ihm nach Kräften finanziell unterstützten Postille "Daily Express" (Volksmund: "Diana Express") führt, geht oft unter, dass die große Wut des Ägypters auf die Royals und das Establishment in Großbritannien viel weiter zurückreicht, als der tödliche Unfall der Prinzessin und seines Sohnes in Paris.

Lässt Al Fayed nur seinem Geltungsdrang freien Lauf?

Schon in den 70er Jahren hatte der hochgewachsene Al Fayed den ehrgeizigen Versuch unternommen, in die höchsten Kreise der britischen Klassengesellschaft vorzudringen. Die ärmlichen Verhältnisse, aus denen der Ägypter kam - als Kind hatte er in den Straßen von Alexandria mit dem Verkauf von Limonade das Familieneinkommen aufgebessert - hatte er da längst hinter sich.

1985 legte er mehr als 600 Millionen Pfund (800 Millionen Euro) für das Londoner Luxus-Kaufhaus Harrods hin. Sechs Jahre zuvor hatte er das Pariser Edelhotel Ritz erworben. Doch sein enormes Vermögen gilt in den besseren britischen Kreisen als anrüchig. Zu Reichtum war Al Fayed durch seine Ehe mit einer Schwester des Waffenhändlers Adnan Kashoggi gelangt. Auch unter Hinweis darauf waren immer wieder Al Fayeds Anträge auf die britische Staatsbürgerschaft abgelehnt worden.

1997 sah er seine große Chance: Wenn Prinzessin Diana tatsächlich aus der - in Wirklichkeit wohl nur oberflächlichen - Beziehung mit Dodi eine Ehe gemacht hätte, dann wäre Al Fayeds Sohn zum Stiefvater auch von Prinz William und damit des künftigen Königs von Großbritannien geworden. Die Vorstellung, der angeheiratete Opa des Monarchen in spé zu sein, dürfte dem offenkundig starken Geltungsdrang Al Fayeds entsprochen haben. Im Kaufhaus Harrods hat er nicht nur Diana und Dodi, sondern auch sich selbst mit einem Denkmal verewigt. An der überlebensgroßen Al-Fayed-Kitsch-Statue ziehen täglich fotografierende Touristen vorbei. Die meisten kichern dabei, und manche machen Gesten mit einem Finger in Richtung Stirn.

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