Welt : Diana verbunden

Die Queen versucht, mit einem Memorial für die unvergessene Prinzessin alte Gegensätze zu überbrücken

Matthias Thibaut[London]

Der Londoner Hyde Park war gestern zum ersten Mal seit den aufregenden Tagen vor Prinzessin Dianas Beerdigung 1997, als der Park in ein Blumenmeer verwandelt wurde, wieder Schauplatz nationaler Gefühlswallungen für die „Queen of Hearts“. Mit einer dreiminütigen Ansprache eröffnete Königin Elizabeth II. das „Nationale Diana Memorial“ – einen 3,5 Millionen Pfund teuren Brunnen, der eigentlich gar kein Brunnen ist.

Die Queen räumte in ihrer Rede ein, das Verhältnis zu ihrer Schwiegertochter sei nicht immer einfach gewesen. Aber „die Erinnerungen werden freundlicher mit den Jahren“, sagte die Monarchin. Dianas Tod habe die Welt erschüttert. Dies liege vor allem an dem „außerordentlichen Einfluss“, den Diana auf die Menschen in ihrer Umgebung gehabt habe. „Ihre Fähigkeit, mit denen zu fühlen, die in Schwierigkeiten, Not und Bedrängnis sind, ihre Bereitschaft, sich einer neuen Sache anzunehmen, ihre Art, alle zu schätzen, die sie traf, erlaubten es ihr nicht nur, das Leben der Menschen zu berühren, sondern sie auch zu ändern.“ „Natürlich gab es auch schwierige Zeiten“, sagte sie weiter. Aber sie erinnere sich auch daran, „wie viel Freude sie meinen Enkeln gab“, sagte die Queen mit Blick auf William und Harry.

Missgünstige Kritiker haben das Memorial, den aus 700 Tonnen feinstem kornischem Granit geschnittenen, 80 Meter langen und 50 Meter breiten Wasserring, mit einem Sturmwasserkanal aus Beton oder gar einer Rennbahn verglichen. Doch seit die Steinrinne auf dem grünen Rasen beim Serpentinensee vor einer Woche mit Wasser gefüllt wurde, haben die Londoner das Memorial schon ins Herz geschlossen – vor allem Kinder, die es nun zum Plantschen benutzen. 100 Liter pro Sekunde werden durch den von der amerikanischen Gartenarchitektin Kathryn Gustafson entworfenen Kanal gepumpt und über einen Hindernislauf geleitet, der Dianas Leben und ihren Charakter spiegelt: Mal ist das Wasser ein ruhiger Spiegel des blauen Londoner Himmels, mal wird es zu Turbulenzen aufgepeitscht schäumt und rauscht.

Die erste Begegnung der verfeindeten Familien, der Windsors und der Spencers, seit Dianas Beerdigung wurde bis hin zum Smalltalk der Queen mit Earl Spencer aufmerksamst verfolgt. Mit ihrer Rede habe die Queen die Hand der Versöhnung gereicht, meldeten sogleich die Hofberichterstatter. Die Queen glättete auch die Wogen jahrelangen Streits um das Memorial selbst. Ein Abbild sei unnötig für jemanden, der bis heute eine solche Faszination auf die Welt ausübe, entschied die Königin in ihrer Rede. Der „Geist Dianas“, sagte die Queen und sprach aus Erfahrung, sei in dem Wasserlauf wahrlich gut eingefangen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben