Welt : Dicht wie Schnee

Vulkan lässt das Leben in Südamerika stillstehen

Bedeckt. Überall nichts als Asche Foto: rtr Foto: REUTERS
Bedeckt. Überall nichts als Asche Foto: rtrFoto: REUTERS

Buenos Aires/Santiago de Chile - Die Vulkan-Bilder aus dem Süden Chiles sind atemberaubend. Wie ein riesiger, mattbrauner Pilz steht die zehn Kilometer hohe Aschewolke über den Anden, in der Abendsonne schimmert sie rotorange, nachts flackern irre Blitze durch die schwarze Wolke. Eine „Hölle auf Erden“, schreibt eine Zeitung, aber eine schaurig-schöne. Für viele Menschen im Süden Chiles und vor allem im benachbarten Argentinien aber ist der Ausbruch im Vulkan-Komplex Puyehue-Cordón Caulle vor allem eine Heimsuchung.

Eine teilweise mehrere Zentimeter dicke Ascheschicht bedeckt vor allem weite Teile der grenznahen Regionen im Nachbarland Argentinien. Das beliebte Touristenziel Bariloche mit 150 000 Einwohnern gleicht auf den ersten Blick einem Wintermärchen. Allerdings hat sich nicht Schnee, sondern graue Asche auf Häuser, Pflanzen und Straßen gelegt.

Die Behörden riefen die Bürger auf, ihre Häuser nicht zu verlassen. Wenn das doch nötig sei , sollten sie Masken oder feuchte Tücher vor Nase und Mund binden, die Augen notfalls mit Schwimmbrillen schützen. Hamsterkäufe ließen Mineralwasser und andere Lebensmittel mancherorts schnell zur Neige gehen. Schulen und viele Behörden blieben geschlossen.

Wegen der Aschewolke des Vulkans über Buenos Aires wurden dann am Dienstag sämtliche Flüge auf den beiden Flughäfen der argentinischen Hauptstadt gestrichen. Flughäfen im Süden Argentiniens waren bereits nach dem Ausbruch des Vulkans am Samstag geschlossen worden. Das galt auch für das argentinische Bariloche, das den Ausnahmezustand ausrief. In der chilenischen Hauptstadt Santiago wurden nach Behördenangaben alle Flüge nach Buenos Aires und Montevideo sowie drei Flüge nach São Paulo gestrichen. Zehntausende Passagiere saßen auf Flughäfen fest. Darunter im brasilianischen Sao Paulo auch die B-Auswahl der argentinischen Fußballnationalelf mit Nationaltrainer Sergio Batista. Ihre Lufthansa-Maschine aus Frankfurt war in Brasilien gelandet, da Buenos Aires gesperrt war.

Der Vulkan Puyehue liegt etwa 870 Kilometer südlich von Santiago de Chile unweit der Grenze zu Argentinien. Das letzte Mal war der Vulkan im Jahr 1960 ausgebrochen, nach einem Erdbeben der Stärke 9,5. Keiner kann sagen, wie lange der Vulkan diesmal noch Asche in die Luft schleudern wird. AFP/dpa

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