Welt : Dicke Luft

Ab 1. März verteuert sich eine Packung Zigaretten um durchschnittlich 40 Cent – der Staat und die Hersteller wollen mehr Geld

Sebastian Esser

Rauchern stehen harte Zeiten bevor. Ab dem 1. März steigen die Preise für eine Packung Zigaretten um durchschnittlich 40 Cent. Schuld daran sind die Regierung und die Zigarettenindustrie: von der Preiserhöhung entfallen 26 Cent auf neue Steuern und 14 Cent auf Hersteller und Zigarettenhandel. Während der Staat die Tabaksteuer um 1,2 Cent je Zigarette anhebt, um das Gesundheitswesen zu finanzieren, schlagen die Hersteller nocheinmal auf, um, wie sie sagen, Verluste aus dem letzten Jahr auszugleichen.

Schon in den vergangenen beiden Jahren erhöhte die Bundesregierung mit dem „Gesetz zur Finanzierung der Terrorbekämpfung“ die Tabaksteuer um jeweils einen Cent je Zigarette – in der Branche „Terror-Tax“ genannt. „Damals haben wir nicht die volle Steuer weitergegeben, deswegen ist der Gewinn geschrumpft“, sagt Ernst Brückner, Hauptgeschäftsführer des Verbandes der Cigarettenindustrie.

Schlimmer als diese Verluste hat die Industrie jedoch der Rückgang des Verkaufs getroffen. Der Absatz von Fabrikzigaretten sank im vergangenen Jahr um mehr als sechs Prozent auf 134,4 Milliarden Stück. Dennoch werde nicht weniger geraucht, glaubt die Industrie: „Der Absatzschwund war zwar dramatisch, aber vor allem, weil die Leute sich anders versorgen“, so Brückner. Die Verbraucher wenden sich von Markenzigaretten ab und rauchen lieber Billig-Produkte aus dem Supermarkt, Selbstgedrehte und legale oder illegale Importe aus Osteuropa. Der Anteil der Supermarkt-Zigaretten, der 1997 bei nur 5,5 Prozent lag, kletterte auf 16,1 Prozent.

Bei der Preisumstellung verfolgen die Firmen verschiedene Strategien. Während die meisten Firmen auf eine große Packung mit 22 Zigaretten setzten, die vier Euro kosten wird, soll die Zigarettenmarke „West“ weiterhin drei Euro kosten, mit einem Anteil von 9,3 Prozent immerhin die Nummer zwei im deutschen Markt hinter „Marlboro“. Sie wird statt 19 nur noch 18 Zigaretten je Packung enthalten. Erst nach einer Übergangsphase von acht Wochen werde der Preis um 20 Cent auf 3,20 Euro angehoben. „Wir wollen damit eine stärkere Preisdifferenzierung ermöglichen und neue Kunden gewinnen“, so Lars Großkurth, Sprecher des West-Herstellers Reemtsma.

Das dicke Ende für die Raucher kommt aber noch. Denn diese Preiserhöhungen sind nicht die letzten. Zum 1. Dezember 2004 kommen noch einmal 1,2 Cent Steuern pro Zigarette dazu und die dritte Stufe sieht die Bundesregierung für den September des kommenden Jahres vor. „Natürlich werden wir diese Steuererhöhungen an den Kunden weitergeben müssen“, so Peter Lind, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Deutscher Tabakwaren-Großhändler und Automatenaufsteller. Am Ende wird eine normale Schachtel Zigaretten vermutlich zwischen 4,00 und 4,50 Euro kosten.

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