Welt : Die adoptierten Zwillinge: Der Kampf um die Babys verschärft sich

Im Fall der doppelt verkauften Internet- AdoptivkinderKim zeichnet sich auf beiden Seiten des Atlantiks ein zäher Kampf vor Gericht ab. Die britische Regierung will so schnell wie möglich ein neues Adoptionsgesetz im Parlament einbringen. Danach sollen Paare, die ohne Absprache mit den britischen Behörden im Ausland Kinder adoptieren, mit drei Monaten Gefängnis bestraft werden.

Die britischen Adoptiveltern der sogenannten Internet-Zwillinge, Alan (45) und Judith Kilshaw (47), kündigten am Wochenende an, sie würden für das Sorgerecht notfalls durch alle Instanzen gehen. Sie wollen verhindern, dass das Jugendamt die Vormundschaft bekommt. Am Dienstag soll sich der britische High Court erstmals mit dem Fall beschäftigen. Doch auch amerikanische Gerichte wollen sich einschalten. Ellen Brantley, leitende Richterin im US- Bundesstaat Arkansas, bezeichnete es als "wahrscheinlich", dass das Adoptionsverfahren neu geprüft werde. Es sei möglich, dass die Adoption für ungültig erklärt werde.

Mrs. Kilshaw will jedoch nicht nachgeben: "Alan und ich werden weiterkämpfen", sagte sie. "Wir sind sehr stark. Wir werden unser Bestes tun, um die Mädchen zurückzubekommen." Mehrere Zeitungen berichteten unterdessen, dass Mrs. Kilshaw vor der Internet-Adoption ihre 22-jährige Tochter bedrängt habe, für sie ein Kind auszutragen. Das habe diese aber abgelehnt.

Das Ehepaar Kilshaw hatte sich die amerikanischen Kinder für 8200 Pfund (24 600 Mark) über eine Adoptionsagentur im Internet vermitteln lassen. Als die Kilshaws die Kinder nach Großbritannien holten, waren diese aber schon von einem Ehepaar in Kalifornien, Vickie und Richard Allen, adoptiert worden. Da diese aber nur 6000 Dollar (12 000 Mark) bezahlt hatten, hatte die Leiterin der Adoptionsagentur die leibliche Mutter überredet, die Zwillinge den Allens wieder wegzunehmen und sie stattdessen zu den besser zahlenden Kilshaws zu geben.

Inzwischen will die Mutter, die 28-jährige Tranda Wecker aus St. Louis (Missouri), ihre Kinder aber wieder zurückhaben. Doch auch die Allens wollen klagen. Nachdem der Fall weltweit Schlagzeilen gemacht hatte, nahmen die britischen Behörden die Kinder am Donnerstag in ihre Obhut. Sie wurden einer Pflegefamilie anvertraut.

In Großbritannien hat eine Diskussion über die strengen Adoptionsbestimmungen eingesetzt. "Dies ist eine Geschichte, von der einem schlecht wird, und schuld daran sind die Hindernisse, die die Behörden in diesem Land Adoptionswilligen in den Weg legen", kritisierte der "Daily Telegraph". Weil die Anforderungen in Großbritannien kaum noch erfüllbar seien, sähen sich immer mehr Adoptionswillige im Ausland um.

Mehr lesen? Jetzt gratis E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben