Welt : Die Angst hört nicht auf

Eineinhalb Jahre nach der großen Flutkatastrophe hat ein neues Seebeben Asien heimgesucht – bisher wurden 37 Tote gefunden

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Wieder hat ein Seebeben in Asien einen Tsunami ausgelöst. „Die Welle war zwei Meter hoch und hat Häuser und Hotels zerstört. Ich habe später drei Leichen gesehen, bestimmt gibt es mehr”, sagte ein Augenzeuge aus dem Küstenort Pandangaran dem Fernsehsender Metro-TV. „ Ich selbst wohne 50 Meter von Strand entfernt, bei mir blieb es trocken.”

Die Angst hört nicht auf. Die neuen Meldungen lösen Erinnerungen an den großen Tsunami vor eineinhalb Jahren aus. Damals starben vermutlich 200 000 Menschen, die meisten in Indonesiens Aceh-Provinz auf Sumatra. Der Tsunami brachte damals auch an der thailändischen Küste und auf Sri Lanka vielen Menschen den Tod. Der jetzige Tsunami scheint deutlich weniger schlimm zu sein, glaubt man den Meldungen. Allerdings war auch damals am ersten Tag die Dimensuion der Katastrophe nicht annähernd abzuschätzen.

Pandangaran liegt an der Südküste von Indonesiens Hauptinsel Java, auf der etwa 130 Millionen Menschen leben. Präsident Susilo Bambang Yudhoyono bestätigte am Montag, dass dort mehrere Tote gefunden wurden. „Nach Vermissten wird noch gesucht, Militär und Rettungstrupps sind geschickt“, sagte Yudhoyono. Nach anderen Berichten war von 37 Toten die Rede.

Offenbar schwappte die Welle nicht überall an Land. Nach dem Beben aus einem Helikopter gedrehte TV-Aufnahmen zeigen weite Küstenabschnitte mit Strandhäusern, die stehen blieben. In Bandung, der dem Epizentrum am nächsten liegenden Großstadt, rannten Menschen aus wackelnden Häusern auf die Straße. Sie kamen mit dem Schrecken davon, es liegen keine Berichte über Schäden vor. Erst vor sechs Wochen hatte ein Erdbeben in Südjava 6000 Menschen getötet. Das Ende Mai verwüstete Gebiet liegt 200 Kilometer östlich von Pandangaran und blieb dieses Mal unversehrt.

Wissenschaftler des Pazifik-Tsunami-Warnzentrums im US-Bundesstaat Hawaii gaben die Stärke des Bebens vom Montag mit 7,2 an. Sie warnten nur Indonesien und Australien: „Es besteht die Möglichkeit eines lokalen Tsunamis, der Küsten betrifft, die normalerweise nicht mehr als 100 Kilometer vom Epizentrum entfernt liegen. Gefahr eines zerstörerischen, weit reichenden Tsunami besteht nicht.“ Von den australischen Weihnachts- und Kokosinseln wurden später kleine Wellen gemeldet, die offenbar keinen Schaden anrichteten. Die am Montag von Wissenschaftlern ausgegebenen Warnungen erreichten die Menschen in Südjava nicht. Bislang gibt es noch kein Frühwarn-System, dass genaue Informationen schnell in Küstenregionen bringen kann, die durch Flutwellen in Gefahr sind. Deutsche Forscher bauen ein solches System derzeit vor der indonesischen Insel Sumatra auf, es soll 2008 voll einsatzfähig sein. In Indonesien sind bislang kaum Maßnahmen getroffen worden, die im Ernstfall die Warnung der Bevölkerung vor Ort garantieren. Die Unesco erklärte vor drei Wochen selbstbewusst, ein TsunamiWarnsystem für den Indischen Ozean sei „in Betrieb“ , 26 nationale Zentren seien vernetzt. Doch noch kann nicht verlässlich gesagt werden, ob, wo und in welchem Ausmaß Tsunami-Gefahr besteht.

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